Inmitten des Zürcher Unterlandes, genauer gesagt in der Gemeinde Winkel, verbirgt sich eine kleine römische Schatztruhe: der Gutshof Seeb. Diese einzigartige Stätte, gegründet im Jahr 50 n. Chr., gehört zu den wenigen konservierten römischen Ruinen im Kanton Zürich und bietet uns einen faszinierenden Blick in die Vergangenheit. Mit seinen gut erhaltenen Gebäuden, einem beeindruckenden Bad und farbenfrohen Wandmalereien ist der Gutshof ein wahres Juwel. Jetzt plant die Stiftung für Archäologie und Kunstgeschichte, dieses Erbe in ein Freilichtmuseum zu verwandeln, und das Beste daran? Der Eintritt wird kostenlos sein!

Das Projekt hat das Ziel, Schulklassen, Familien, Spaziergänger und Velofahrer anzusprechen. Man will einen Ort schaffen, an dem Geschichte lebendig wird. Geplant sind Informationsschilder, Audio-Dateien und sogar Stereoskope für dreidimensionale Rekonstruktionen. Das lässt das Herz eines Geschichtsinteressierten höher schlagen! Besonders spannend ist, dass der Badetrakt und der Töpferofen ganzjährig besichtigt werden können. Das Freilichtmuseum wird uns mit einem authentischen Einblick in das Landleben und die Ernährung der Römer versorgen und schließt damit eine wichtige Lücke in der Geschichtsvermittlung.

Ein Ort für alle

Der Gutshof Seeb wird nicht nur ein Ort für Geschichtsinteressierte, sondern auch für die ganze Familie. Auf dem Museumsgelände sind bereits einige Annehmlichkeiten vorhanden: Ein Parkplatz, zwei Grillplätze und Toilettenkabinen sorgen dafür, dass man auch einen ganzen Tag hier verbringen kann. Allerdings sollte man beachten, dass ein Teil der Ruinen, das Herrenhaus, unter einem Schutzbau steht. Dieser Bereich ist nur an Wochenenden und bei Führungen zugänglich, was die Besichtigung besonders macht. Wer sich also für die Unterbodenheizungen und die fast vollständig erhaltenen Fußbodenmosaiken interessiert, sollte sich rechtzeitig einen Platz sichern. Die Öffnungszeiten sind von Ostern bis Ende Oktober, samstags von 13.00 bis 17.00 Uhr und sonntags von 11.00 bis 17.00 Uhr. Aber Vorsicht: Bei Sturm oder anhaltendem Regen bleibt der Schutzbau geschlossen.

Das Freilichtmuseum ergänzt zudem die anderen kulturellen Angebote in der Nordwestschweiz, und das ist ein echter Gewinn für die Region. Man kann sich vorstellen, wie lebendig diese Stätte wird, wenn sie einmal voll ausgebaut ist. Die Verbindung zur Vergangenheit ist hier greifbar – nicht nur für die Erwachsenen, sondern auch für die Kinder, die mit neuen Medien und interaktiven Elementen spielerisch lernen können.

Ein Blick in die Geschichte

Die Geschichte der römischen Stätte in dieser Region reicht weit zurück. Nach dem Untergang der antiken Stadt gingen viele Kenntnisse über sie verloren. Im Mittelalter waren nur wenige Zeugnisse sichtbar, doch erst die Renaissance brachte das Interesse an der griechisch-römischen Antike zurück. Archäologische Grabungen, die zwischen 1588 und 1590 unter Andreas Ryff durchgeführt wurden, lieferten erste Erkenntnisse über die Überreste, die als „Neun Thürme“ bekannt sind. Diese wurden später von Basilius Amerbach als Teile eines römischen Theaters identifiziert.

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Im 19. Jahrhundert gab es dann einen Aufschwung in der wissenschaftlichen Untersuchung der Stätte, besonders durch Theophil Burckhardt-Biedermann. Ein wichtiger Meilenstein war 1884, als die Historische und Antiquarische Gesellschaft das Gelände mit Hilfe einer Schenkung von Johann Jakob Merian erwarb. Karl Stehlin setzte die archäologischen Arbeiten fort und trug wesentlich dazu bei, unser Wissen über die Römerstadt zu erweitern. Seine Nachfolger haben die Forschungen bis heute weitergeführt und die Stiftung „Pro Augusta Raurica“ gegründet, die sich um die Sicherung der archäologischen Aktivitäten kümmert.

Was für ein spannendes Projekt, das uns nicht nur die Geschichte der Römer näherbringt, sondern auch die Möglichkeit bietet, sich in der Natur zu erholen und Wissen zu tanken. Man sollte sich diesen Ort unbedingt merken und vielleicht beim nächsten Spaziergang in der Region einen Abstecher dorthin machen!