Heute ist der 15.05.2026, und während die Sonne über Zürich aufgeht, hat ein faszinierendes Experiment im Tessiner Gotthardmassiv für Aufregung gesorgt. Forscher der ETH Zürich, zusammen mit der RWTH Aachen und dem italienischen INGV, haben im Bedretto-Lab etwas Ungewöhnliches gewagt: Sie haben versucht, ein Erdbeben auszulösen. Ja, richtig gehört, ein Erdbeben. Und zwar auf Knopfdruck, oder besser gesagt, mit einem kräftigen Druck auf einen Wasserstrahl.

Das Ziel war es, kontrollierte Spannungsänderungen im Gestein herbeizuführen und damit gezielt Mikrobeben zu erzeugen. Das Ganze spielte sich 1,5 Kilometer unter der Erdoberfläche ab – in einer Störzone, wo sich Gesteinschichten verschoben haben. Hier wurde Wasser als Schmiermittel in eine natürliche Bruchzone gepresst. Und das mit einem Druck, der selbst die hartnäckigsten Steine zum Zittern bringen sollte. Das Team, angeführt von Projektkoordinator Men-Andrin Meier, hatte bereits hunderte hochsensible Sensoren installiert, um alles im Blick zu behalten.

Ein Experiment mit viel Technik und noch mehr Hoffnung

Über drei Tage hinweg wurden eine Reihe kleiner Erschütterungen registriert, einige sogar mit Minus-Magnituden. Das stärkste gemessene Beben hatte eine Magnitude von -0.14 – das Ziel, ein Beben mit Magnitude 1 auszulösen, wurde also nicht erreicht. Dennoch kann man sagen, das Experiment war alles andere als ein Flop. Die Daten, die gesammelt wurden, sind von unschätzbarem Wert für das Verständnis von Erdbeben. Forscher sind sich einig: Diese Informationen könnten helfen, die Nutzung geothermischer Ressourcen sicherer zu gestalten.

Die Sensoren waren so präzise, dass sie sogar ein Erdbeben in Japan registrierten, das am 20. April stattfand. Witzigerweise konnten die Forscher die Entstehung des Bebens direkt am Ursprungsort messen. Die Technologie, die im Rahmen des Projekts „FEAR“ (Fault Activation and Earthquake Rupture) entwickelt wurde, könnte uns eines Tages helfen, besser zu verstehen, was einem großen Beben vorausgeht. Schließlich gehen tausende kleine Beben einem größeren Beben voraus, und diese enthalten wertvolle Informationen.

Ein Schritt in die richtige Richtung

Nach dem Experiment wurde das Wasser, das in die Störzone gepresst wurde, wieder abgeleitet. Jetzt steht das Team vor der Herausforderung, die gesammelten Daten zu analysieren und zu verstehen. Die aktuelle Phase des Experiments ist abgeschlossen, aber es wird weitere Versuche geben. Das Sicherheitsrisiko war minimal – die Wahrscheinlichkeit von leichten Schäden lag bei unter 1:10.000. Trotzdem, die Nervosität war spürbar, als die ersten Mikro-Beben registriert wurden, die in Regionen wanderten, die nicht so gut abgedeckt waren.

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Die Unabhängigen Forscher haben die Bedeutung der Messdaten hervorgehoben. Trotz der Zielverfehlung sieht das Team das Experiment als Erfolg. Es war ein riskantes Unterfangen, aber einer, der uns näher bringt zu verstehen, wie Erdbeben funktionieren und wie wir sie vielleicht eines Tages vorhersagen können. So bleibt die Forschung spannend, und wir dürfen gespannt sein, was als Nächstes kommt.