Die Diskussion um die Gehälter von Kaderärzten in den Aargauer Kantonsspitälern Aarau und Baden hat an Brisanz gewonnen. Die Aargauer Regierung hat die Gehälter dieser Ärzte als kritisch bezeichnet. Grund dafür ist die angespannte Finanzlage der Spitäler. So denkt man sogar über gesetzliche Eingriffe nach, etwa einen Lohndeckel. Ein Thema, das nicht nur die Gesundheitsdirektion, sondern auch die Öffentlichkeit bewegt. Es ist ja kein Geheimnis, dass die Vergütungen für Chefärzte und leitende Ärzte immer wieder in der Kritik stehen – nicht ohne Grund, schließlich überschreiten einige Gehälter die Millionengrenze!
Die Kantonsspitäler Aarau (KSA) und Baden (KSB) sowie die Psychiatrischen Dienste Aargau (PDAG) sind als Aktiengesellschaften organisiert. Das bedeutet, dass die Verantwortung für die Löhne nicht direkt beim Regierungsrat liegt, sondern bei den Verwaltungsräten und Geschäftsleitungen. Das hat seine eigenen Herausforderungen, denn der Finanz- und Gesundheitsdirektor des Kantons hat in der Vergangenheit empfohlen, die Vergütungen zu senken. Anordnen konnte er dies jedoch nicht. Wenn die finanzielle Sanierung der Kantonsspitäler nicht die gewünschten Ergebnisse bringt, wird die Einführung eines Lohndeckels ernsthaft geprüft. Ein Blick zu anderen Kantonen, wie Waadt und St. Gallen, zeigt, dass dort bereits gesetzliche Höchstgrenzen für solche Gehälter existieren.
Eine kritische Betrachtung der Gehälter
Medien haben die Gehälter der Kaderärzte in den letzten Jahren verstärkt ins Visier genommen. Begriffe wie „Abzockerlöhne“ und „Lohnexzess“ waren nicht selten in den Berichten zu finden. Im Mai 2023 veröffentlichte der Aargauer Regierungsrat eine Tabelle zur Entwicklung der Kaderarzt-Gehälter am Kantonsspital Aarau. Die Resultate sind aufschlussreich: In den letzten fünf Jahren sind die Jahresgehälter der leitenden und Chefärzte um 8,2 Prozent gesunken, was einem Rückgang von 44.000 Franken entspricht. Dennoch beträgt der Durchschnittslohn eines Chefarztes immer noch stolze 638.000 Franken.
Im Jahr 2020 erreichte die höchste Einzelvergütung am KSA sogar 1,14 Millionen Franken. Das ist eine Summe, die den einen oder anderen schon mal ins Grübeln bringt. Am KSB gab es ebenfalls Spitzengehälter, die knapp an der Million kratzten. Im Vergleich dazu sind die Durchschnittslöhne bei den Psychiatrischen Diensten Aargau deutlich niedriger – ein klarer Hinweis darauf, dass es hier Unterschiede gibt, die nicht ignoriert werden können. Auch die Praxis von „Pharmageldern“ wird vom Regierungsrat thematisiert. Während das KSA persönliche Zahlungen an Ärzte untersagt und die Drittmittel zentral verwaltet, erhielt das KSB im Jahr 2024 rund 26.000 Franken für Pharma-Sponsoring, die dann an Ärzte weitergeleitet wurden. Ein heikles Thema, das die Gemüter erhitzt.
Gesundheitsausgaben im Kontext
<pEin weiterer Aspekt, der die Diskussion über die Gehälter von Kaderärzten im Aargau betrifft, sind die allgemeinen Gesundheitsausgaben in Europa. Zuletzt betrugen die Gesundheitsausgaben in Deutschland 2022 498 Milliarden Euro, was einem Pro-Kopf-Anteil von 5.939 Euro entspricht. Der Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt lag bei 12,8%. Solche Zahlen werfen ein ganz anderes Licht auf die Diskussion um die Vergütungen. Die Gesundheitsausgaben steigen stetig, was nicht zuletzt durch den medizinischen Fortschritt und den demographischen Wandel bedingt ist. Die Corona-Krise hat die Situation noch verschärft, denn die Ausgaben sind aufgrund der Mehrausgaben und der wirtschaftlichen Abschwächung erheblich gestiegen.
Ein Blick über die Grenzen zeigt: In Deutschland entfallen 53% der Gesundheitsausgaben auf die gesetzliche Krankenversicherung (GKV), während die öffentliche Hand lediglich 9,7% trägt. Diese Verteilung wirft Fragen auf, die auch in der Schweiz diskutiert werden sollten. Die Aargauer Regierung steht also nicht nur vor der Herausforderung, die Gehälter der Kaderärzte zu regulieren, sondern muss auch die gesamte finanzielle Struktur des Gesundheitssystems in den Blick nehmen. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich diese Situation entwickeln wird und welche Maßnahmen letztlich ergriffen werden.