Die Schweiz hat ein süsses Problem: Im Durchschnitt konsumiert jeder Schweizer täglich etwa 110 Gramm Zucker, was etwa 27,5 Würfeln entspricht. Angesichts dieser alarmierenden Zahlen startet im Mai die nationale Kampagne «MAYbe less sugar», die die Bevölkerung dazu anregen soll, ihren Zuckerkonsum kritisch zu hinterfragen und zu reduzieren. Ziel ist es, die empfohlenen Maximalwerte von 50 Gramm für Erwachsene und rund 30 Gramm für Kinder zu erreichen.
Die Kampagne kommt zu einer Zeit, in der fast die Hälfte der Kinder und Jugendlichen in der Schweiz mindestens einmal pro Woche Süssgetränke konsumiert. Dabei wird deutlich, dass viele Kinder und Jugendliche im Schnitt etwa 95 Gramm zuckerhaltige Lebensmittel und Desserts täglich zu sich nehmen. Diese übermässige Zuckeraufnahme begünstigt Übergewicht und erhöht das Risiko für chronische Krankheiten wie Diabetes Typ 2, Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In der Schweiz sind bereits über 2,2 Millionen Menschen von chronischen Krankheiten betroffen, und rund 13 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig oder adipös.
Zucker und seine versteckten Gefahren
Zucker versteckt sich nicht nur in Süssigkeiten, sondern auch in scheinbar gesunden Lebensmitteln wie Fruchtsäften, Joghurts, Frühstücksflocken, Fertiggerichten und Saucen. Auf den Etiketten kann Zucker unter verschiedenen Namen wie Saccharose, Glukosesirup, Fruktosesirup oder Dextrose auftauchen. Um den Überblick zu behalten, können digitale Hilfsmittel wie die App «Yuka» helfen, die Zuckermenge in Produkten zu überprüfen.
Ein bewusster Umgang mit Zucker anstelle eines radikalen Verzichts wird gefördert. Einfache Maßnahmen zur Reduzierung des Zuckerkonsums beinhalten beispielsweise, Süssgetränke durch Wasser mit frischer Zitrone zu ersetzen oder Naturjoghurt mit frischen Früchten zu konsumieren. Zudem erreichen nur 18 Prozent der Kinder und Jugendlichen die empfohlene Menge von fünf Portionen Obst und Gemüse täglich.
Der Einfluss von Zuckerkonsum auf Typ-2-Diabetes
Ein gesundheitsbewusster Lebensstil, der Bewegung und ausgewogene Ernährung umfasst, kann das Risiko für Typ-2-Diabetes positiv beeinflussen. Eine Studie von PD Dr. Sabrina Schlesinger hat den Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und Typ-2-Diabetes genauer untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass hohe Zuckeraufnahme sowohl direkt als auch indirekt das Risiko für die Erkrankung erhöht. Bei einer täglichen Zuckerzunahme von 100 kcal steigt die Häufigkeit von Typ-2-Diabetes um 1,6 Prozent. Interessanterweise sind 66 Prozent dieses Zusammenhangs durch den Body-Mass-Index (BMI) erklärbar, was zeigt, dass Übergewicht ein wesentlicher Faktor ist.
Allerdings gibt es auch Hinweise darauf, dass die Beziehung zwischen Zuckerkonsum und Typ-2-Diabetes nicht so klar ist, wie oft angenommen wird. Eine Großstudie, die zahlreiche Untersuchungen zusammenfasste, fand heraus, dass es keine eindeutigen Beweise dafür gibt, dass Zucker direkt Diabetes verursacht. Vielmehr spielen genetische und Lebensstilfaktoren eine entscheidende Rolle, wenn es um die Entstehung von Typ-2-Diabetes geht. So erkranken etwa 60 Prozent der Geschwister von Typ-2-Diabetikern ebenfalls an der Krankheit.
Ein Weg zu besserer Gesundheit
Die Erkenntnisse rund um Zuckerkonsum und Gesundheit zeigen, wie wichtig eine ausgewogene Ernährung und ein gesunder Lebensstil sind. Empfehlungen zur Vermeidung von Typ-2-Diabetes beinhalten nicht nur die Reduzierung von Zucker, sondern auch eine Gewichtsreduktion und das Vermeiden von Fettleibigkeit. Es ist klar, dass 20 Prozent der adipösen Menschen Typ-2-Diabetes entwickeln, während 80 Prozent der Typ-2-Diabetiker adipös sind. In diesem Zusammenhang wird auch die Hypothese der „reversen Kausalität“ diskutiert, bei der Diabetes selbst zu einer Gewichtszunahme führen könnte.
Es wird deutlich, dass die Kampagne «MAYbe less sugar» nicht nur ein Aufruf zur Reduzierung des Zuckerkonsums ist, sondern auch ein Schritt in Richtung einer gesünderen Gesellschaft. Indem wir bewusster mit Zucker umgehen und die verschiedenen Quellen, aus denen er stammt, hinterfragen, können wir nicht nur unser eigenes Wohlbefinden, sondern auch das unserer Kinder nachhaltig verbessern. Weitere Informationen zur Kampagne finden Sie hier. Für eine tiefere Einsicht in den Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und Typ-2-Diabetes empfehlen wir diese Studie. Und schließlich bietet dieser Artikel weitere spannende Perspektiven auf die Thematik.