Wenn Wölfe auf Hirten treffen: Das fragile Gleichgewicht in den Schweizer Alpen
Heute ist der 3.07.2026 und wir befinden uns in Uri, wo die faszinierende Dokumentationsreihe „Schweizer Hundegeschichten“ einen spannenden Einblick in die Beziehung zwischen Mensch und Hund bietet. Diese Geschichten sind nicht nur rührend, sondern auch wichtig, denn sie zeigen, wie Herdenschutzhunde in den Schweizer Alpen für Sicherheit und Seelenheil sorgen. Die Alp Oberberg ist der Schauplatz, wo die Hirtin Irene Jauch mit ihren Hunden zusammenarbeitet, um ihre Schafe zu verteidigen. Nach einem Wolfsangriff im Jahr 2015, der ihre Familie und ihre Tiere stark betroffen hat, übernahm sie den Alpbetrieb von ihrer Schwiegermutter. Ein mutiger Schritt, der ihre Verbindung zu den Tieren und zur Natur nur noch verstärkt hat.
Die Herausforderungen, die durch die Präsenz von Wölfen entstehen, sind nicht zu unterschätzen. Jauch und ihr Team sind oft in der Zwickmühle zwischen der Fürsorge für die Tiere und den Gefahren, die von den Wölfen ausgehen. Das Filmteam begleitet sie bei der täglichen Arbeit und dokumentiert, wie Herdenschutzhunde ihre Schafe als Familie ansehen und sich unermüdlich für deren Schutz einsetzen. David Gerke, ein Verfechter des Wolfes in der Schweiz, sieht diese Tiere als wichtig für die Regulierung des Wildtierbestands. Doch nicht alle teilen diese Ansicht. Alfred Bernet, der Herdenschutzhunde züchtet und bildet, sieht eine steigende Nachfrage aufgrund der Wolfsausbreitung, was ihn vor die Herausforderung stellt, sowohl Quantität als auch Qualität der Hunde zu gewährleisten.
Wölfe und ihre Auswirkungen auf die Landwirtschaft
Die Diskussion um den Wolf wird immer hitziger. Im Kanton St. Gallen wurden in diesem Sommer bereits 50 Schafe gerissen, 20 davon aus geschützten Herden. Das lässt die Alarmglocken bei den Landwirten läuten. Nationalrat Markus Ritter äußert Bedenken, dass die Alpwirtschaft in Gefahr sei. Auf einer Medienkonferenz auf der Alp Halde in Flumserberg fordern die Ständerätin Esther Friedli und Bauernvertreter eine Intensivierung des Umgangs mit den Wölfen. Und das, obwohl sich der Wolfsbestand in der Schweiz seit den 1990er-Jahren stark erhöht hat – aktuell leben rund 240 Wölfe in 30 Rudeln. Die Zahl der getöteten Nutztiere stieg von 287 im Jahr 2017 auf 1480 im Jahr 2022. Das sind alarmierende Zahlen!
Die Situation wird durch einen verletzten Herdenschutzhund bei einem Wolfsangriff noch komplizierter. Im Dezember 2022 wurde das Jagdgesetz revidiert, das nun den präventiven Abschuss von Wölfen ermöglicht. Der Bundesrat hat Teile der Jagdverordnung im November 2022 befristet in Kraft gesetzt, was den Kantonen erlaubt, ganze Wolfsrudel zu schießen. Einige, wie Gerke von Wolf Schweiz, halten diese Forderung für nicht sinnvoll und betonen die Wichtigkeit von gut erzogenen Rudeln. Die Debatte darüber, wie mit den Wölfen umgegangen werden soll, wird bis zum Inkrafttreten der neuen Jagdverordnung am 1. Februar 2025 weitergehen. Martin Keller, Präsident des St. Gallischen Schafzuchtverbands, äußert Bedenken zur Finanzierung von Herdenschutzhunden und der Übergabe der Verantwortung an die Kantone.
Die Herausforderungen, die sowohl für die Hirten als auch für die Wölfe bestehen, sind komplex und erfordern ein sensibles Gleichgewicht zwischen Naturschutz und den Bedürfnissen der Landwirtschaft. Das Bundesamt für Umwelt sieht die Regulierung des Wolfsbestands als Daueraufgabe an. Wie sich die Diskussion um den Wolf in der Schweiz weiterentwickeln wird, bleibt abzuwarten. Die Geschichten von Irene Jauch und ihren Hunden stehen exemplarisch für die Herausforderungen, die die Alpwirtschaft heute zu bewältigen hat. Und während die Diskussion um Wölfe und Herdenschutzhunde weitergeht, bleibt die Frage: Wie können Mensch und Tier harmonisch koexistieren?
