Es gibt Tage, da merkt man, wie sehr die Natur und unsere Technik miteinander verbunden sind. Ein solcher Tag ist heute, am 4. Mai 2026, hier im Tessin. Die Wasserkraft, das Herzstück unserer Energieproduktion, zeigt sich in einem neuen Licht. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die Stromproduktion aus Schweizer Wasserkraft wird 2025 einen leichten Rückgang erleben, trotz neuer Anlagen. Ja, das klingt paradox, aber die Wasserkraftwerke stehen eben nicht für sich allein. Sie sind abhängig von vielen Faktoren – vor allem von den Launen des Wetters.
Die mittlere Produktionserwartung für das kommende Jahr liegt bei 37’162 Gigawattstunden pro Jahr (GWh/a). Das sind 188 GWh/a weniger als im Vorjahr. Niedrige Zuflüsse, Unwetterschäden und Datenaktualisierungen sind die Übeltäter, die für diesen Rückgang verantwortlich sind. Besonders im Wallis hat das Wetter kräftig zugeschlagen: Zwei Kraftwerke, darunter das große Rhône-Kraftwerk in Susten-Chippis, stehen nach einem schweren Unwetter 2024 noch immer still. Das hat die Produktionserwartung um satte 215 GWh/a gedrückt.
Die Zahlen der Wasserkraftzentralen
Wohlgemerkt, zwei Schritte vor und einen zurück – im Wallis liegt die größte erwartete Produktion mit 10’469 GWh/a, gefolgt von Graubünden mit 7’919 GWh/a, Tessin mit 3’485 GWh/a und Bern mit 3’424 GWh/a. Aber es gibt auch Lichtblicke: Die Zahl der Kraftwerke mit einer Leistung von über 300 Kilowatt ist von 703 auf 706 gestiegen. Diese neuen Anlagen haben zur Steigerung der Produktion um rund 50 GWh/a beigetragen. Das Laufkraftwerk Sousbach in Lauterbrunnen, das erst kürzlich in Betrieb genommen wurde, hat hierbei den größten Anteil. Mit 30,5 GWh/a sorgt es für frischen Wind in der Statistik.
Doch auch das scheint nicht genug zu sein. Im Jahr 2025 sind 12 Zentralen im Umbau und 6 Zentralen im Bau. Diese Projekte sollen einen zusätzlich erwarteten Produktionsausbau von knapp 40 GWh/a bringen. Dennoch bleibt die Abnahme der mittleren Produktionserwartung bestehender Anlagen ein Thema. Hier gilt es, die Gründe genauer zu beleuchten: Datenaktualisierungen, Restwassersanierungen und eben die niedrigen Zuflüsse aus dem Vorjahr machen sich bemerkbar.
Ein Blick in die Zukunft
Das Energiegesetz hat sich ambitionierte Ziele gesetzt. Bis 2035 soll die durchschnittliche jährliche Wasserkraftproduktion auf 37’900 GWh/a ansteigen. Ein ehrgeiziges Vorhaben, wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche Produktion für 2025 gemäß der aktuellen Messmethoden nur bei 36’724 GWh/a liegen wird. Da bleibt nicht viel Spielraum für Fehler. Die Wasserkraft wird voraussichtlich rund 58,5 Prozent des inländischen Stroms ausmachen – ein stabiler Wert, der über die Jahre hinweg konstant bleibt. Ein 10-jähriger Mittelwert, der uns zeigt, wie wichtig diese Energiequelle für die Schweiz ist.
Insgesamt haben wir in der Schweiz am 1. Januar 2024 bereits 705 Wasserkraftzentralen mit einer Leistung von über 300 Kilowatt in Betrieb, das sind 12 mehr als im Vorjahr. Die maximale Leistung ab Generator hat sich sogar um 26 MW erhöht, was auf Neuanlagen und Erneuerungen zurückzuführen ist. Die Wasserkraftwerke, die im Jahr 2023 eine Energieproduktion von 37’171 GWh/a hatten, sind ein Beweis für die Stärke dieses Sektors – trotz aller Herausforderungen.
Wenn man darüber nachdenkt, wird einem bewusst, wie sehr wir auf diese Kraftquelle angewiesen sind. Die Entwicklung wird kontinuierlich im Rahmen der Energiestrategie 2050 beobachtet. Ein Monitoring, das uns helfen wird, auch in Zukunft mit den Naturgewalten und den Anforderungen der Energieversorgung umzugehen. Wasser ist Leben, und wir müssen alles daransetzen, um das Leben in unseren Flüssen und Seen zu bewahren und gleichzeitig die Energieproduktion nachhaltig zu gestalten.