Im malerischen Tessin findet derzeit eine ganz besondere Ausstellung statt, die das Herz eines jeden Kunstliebhabers höher schlagen lässt. Im Epper House des Hotel Eden Roc in Ascona wird die Schau „Rolf Gérard – Frühlingsgemälde“ präsentiert. Diese Ausstellung ist eine Hommage an den außergewöhnlichen Künstler, der am 9. August 1909 in Berlin geboren wurde und 2011 in Ascona verstarb. Rolf Gérard, ein Name, der für künstlerische Exzellenz steht, hat in seinem Leben viel erlebt und hinterlässt ein beeindruckendes Erbe.
Wie wohl viele kreative Köpfe, wuchs auch Gérard in einem intellektuell und künstlerisch geprägten Umfeld auf. Sein Vater war Wissenschaftler hugenottischer Herkunft und seine Mutter, die italienische Sängerin Mafalda Salvatini, gab ihm den ersten Zugang zur Kunst. Schon als Kind zeichnete er, oft bevor er überhaupt lesen oder schreiben konnte. Während des Ersten Weltkriegs entstanden seine ersten Karikaturen – ein frühes Zeichen seines Talents. Die Themen seiner Werke sind oft symbolisch und zeigen menschliches Verhalten, häufig kombiniert mit Tieren. Diese kreative Ader wurde durch seine Reisen in die vielfältigen Landschaften Süditaliens, Nordafrikas und Nordeuropas weiter genährt, wo er seine Farbwahrnehmung entscheidend entwickelte.
Ein Leben im Wandel
Die Familie Gérard hatte große Pläne für den jungen Rolf und drängte ihn zu einem Medizinstudium. Doch sein Herz schlug für die Kunst. Nach einem Aufenthalt in Oxford, wo er die europäische Kultur beobachtete, emigrierte er 1933 nach Paris, um seine akademische Ausbildung an der Sorbonne abzuschließen. Ab 1937 studierte er Medizin in Basel, wo er seine Promotion abschloss. Während des Zweiten Weltkriegs wandte er sich erneut der Kunst zu, arbeitete als Notarzt in Großbritannien und knüpfte Kontakte zur Musik- und Theaterwelt, vor allem zu Regisseur Peter Brook. Diese Zusammenarbeit beeinflusste die internationale Theaterszene nachhaltig.
In den Jahren nach dem Krieg fand Gérard seinen Platz in der Theaterwelt. Er arbeitete an „Romeo und Julia“ in Stratford-upon-Avon und erhielt zahlreiche Aufträge für Bühnenbilder und Kostüme, auch von renommierten Instituten wie der Metropolitan Opera in New York, wo er über 20 Jahre lang aktiv war. Es war eine aufregende Zeit, geprägt von kreativen Höhenflügen, aber auch persönlichen Herausforderungen, wie dem Verlust seiner Frau, die ihn schwer traf.
Ein neuer Anfang in Ascona
Die Rückkehr nach Ascona markierte eine neue Phase in Gérards Leben. Hier, umgeben von der atemberaubenden Landschaft des Tessins, fand er die Ruhe und Inspiration, die er benötigte, um seine Kreativität neu zu entfalten. Seine Werke, die er in dieser Zeit schuf, spiegeln eine tiefe Verbindung von Erinnerung, Farbe und Landschaft wider. 1977 kaufte er ein Haus in Ascona und gründete 2006 die „Fondazione Rolf Gérard“, die nicht nur seine eigenen Werke zeigt, sondern auch Sonderausstellungen für die Öffentlichkeit zugänglich macht.
Sein kreatives Schaffen wurde mit zahlreichen Ehrungen gewürdigt, einschließlich der Nominierung zum Ritter der Ehrenlegion im Jahr 1959 und der Beförderung zum Officier 1971. Gérard hinterlässt ein beeindruckendes Erbe, das weit über seine Lebenszeit hinausreicht. In Ascona, wo er seine letzten Jahre verbrachte, wird sein künstlerisches Wirken weiterhin gefeiert und gewürdigt. Seine Verbindung zur Kunst bleibt lebendig – und die Ausstellung im Epper House ist ein eindrucksvolles Zeugnis seiner Lebensreise.