Am heutigen Tag, dem 8. Mai 2026, fand im malerischen Tessin eine bedeutende Veranstaltung zur Förderung von Chancengleichheit in der Kultur statt. Die Grussworte von Marina Carobbio Guscetti, der Staatsrätin und Direktorin des Departements für Erziehung, Kultur und Sport (DECS), sowie Raoul Ghisletta, Stadtrat von Lugano, setzten gleich zu Beginn den richtigen Ton. Sie betonten, wie wichtig es ist, dass wir uns institutionell für ein gerechteres, inklusiveres und repräsentativeres Kultursystem einsetzen. Ein Thema, das nicht nur in der Schweiz, sondern auch international immer mehr an Bedeutung gewinnt.
Rachele Santoro, Beauftragte für Chancengleichheit, und Roland Hochstrasser, Leiter des Amts für Analyse und digitales Kulturerbe, skizzierten die aktuelle Situation und legten offen, wo die Ungleichheiten liegen. Insbesondere bei der Verteilung von Fördermitteln und der Sichtbarkeit von Künstlerinnen gibt es noch viel zu tun. Um das zu ändern, wurde die Notwendigkeit systematischer Datenerhebung betont. Hier könnte man fast meinen, wir stecken in einem riesigen Puzzle, dessen Teile noch nicht richtig zusammengefügt sind.
Der Austausch im Fokus
In der ersten Seminarsitzung kamen Vertreterinnen von SWAN, Helvetiarockt und SSAA zusammen, um zu diskutieren, wie berufliche Netzwerke Frauenkarrieren fördern und Ausgrenzungsmechanismen abbauen können. Das klingt alles sehr theoretisch, aber die konkrete Praxis, die hier präsentiert wurde, war einfach beeindruckend. Mentoring-Programme, Sichtbarkeitsplattformen und Sensibilisierungsmaßnahmen wurden vorgestellt – allesamt Schritte in die richtige Richtung. Man konnte förmlich spüren, wie der Wind des Wandels durch den Raum wehte.
Die zweite Sitzung widmete sich interdisziplinären Instrumenten und Ansätzen. Ein Highlight war die Präsentation von „Le Carnet rose“ sowie der Beitrag von Pro Helvetia zur Integration einer Geschlechterperspektive in die Kulturpolitik. Auch die Notwendigkeit inklusiverer Förderkriterien und Entscheidungsprozesse stand im Vordergrund. Hier wird klar: Es geht nicht nur darum, über Gleichstellung zu reden, sondern auch darum, konkrete Maßnahmen zu ergreifen und diese in die Tat umzusetzen.
Ein Blick über die Landesgrenzen
Doch nicht nur in der Schweiz tut sich etwas. Im Sommer 2016 veröffentlichte der Deutsche Kulturrat die Studie „Frauen in Kultur und Medien“. Kulturstaatsministerin Monika Grütters initiierte daraufhin einen Dialogprozess, der über ein Jahr hinweg stattfand. Im Juni 2017 forderte sie Persönlichkeiten des kulturellen Lebens auf, Gleichberechtigung aktiv zu fördern. Solche Initiativen sind wichtig, denn sie zeigen, dass der Druck, etwas zu verändern, nicht nachlässt.
Neueste Publikationen, wie die von Oktober 2023 mit dem Titel „Es geht voran. Sachstand Geschlechtergerechtigkeit im Kulturbereich“, belegen Fortschritte. Der Anstieg des Frauenanteils in Führungspositionen und bei der individuellen Künstlerinnenförderung ist erfreulich. Trotzdem bleibt der Gender-Pay-Gap hoch, und es gibt noch viel zu tun. Vorschläge zur langfristigen Beobachtung und Verbesserung der Statistiken sind unverzichtbar, um die Entwicklungen weiter zu begleiten.
Die Veranstaltung im Tessin war ein faszinierendes Zusammenspiel von inspirierenden Gesprächen und konkreten Aktionen. Der Austausch zwischen Persönlichkeiten aus der Schweizer und Tessiner Kultur- und Kunstszene war anregend und lässt auf eine positive Entwicklung hoffen. Es liegt nun an uns, diese Überlegungen in konkrete und nachhaltige Maßnahmen umzusetzen. Und vielleicht, nur vielleicht, können wir die Kunst von Frauen bald gleichwertig präsentieren – so, wie sie es verdient.