Im Tessin, wo die Berge den Himmel küssen und die Natur in voller Pracht erstrahlt, gibt es ein spannendes Thema, das die Gemüter erhitzt: die Hobby-Jagd. Rund 3000 Jagdausübende sind hier aktiv, was einem neuen Logo und einem frischen Slogan des Verbands FCTI gegenübersteht. Claudio Zali, der Direktor des Departements für Territorium, hat eine klare Vision: Die Hobby-Jäger sollen als „braccio armato dello Stato“ – als bewaffneter Arm des Staates – fungieren. Das klingt nach einem Filmplot, doch hier wird es ernst. Zali kündigte an, dass ein neues „Gruppo di supporto“ auch außerhalb der Jagdzeit auf Wölfe schießen soll. Wie gesagt, die neuen Einsatzregeln bedienen sich einer militärischen und polizeilichen Sprache, die Fragen aufwirft.
Davide Corti, eine Stimme in der Diskussion, hat einen gewaltigen Sprung in der Zahl erlegter Huftiere festgestellt – von 1600 auf 7000 in einer Generation. Er sieht den Klimawandel und veränderte Lebensräume als Ursache. Allerdings, die Realität ist komplexer. Studien zeigen, dass der Klimawandel nicht der alleinige Schuldige ist. In jagdfreien Gebieten, die unter ähnlichen klimatischen Bedingungen stehen, haben wir ganz ähnliche Bestände. Und dann gibt es da noch das Phänomen der kompensatorischen Reproduktionsdynamik, das erklärt, warum ein hoher Jagddruck paradoxerweise zu steigenden Beständen führen kann.
Die gesetzliche Grundlage der Jagd
Das Jagdgesetz in der Schweiz hat einen klaren Fokus: Die Erhaltung der Artenvielfalt und der Lebensräume einheimischer Wildtiere. Es soll sicherstellen, dass die Wildbestände angemessen genutzt werden, während gleichzeitig Schäden an Wäldern und landwirtschaftlichen Kulturen durch Wildtiere begrenzt werden. Ein vielschichtiges Unterfangen, das nicht immer einfach umzusetzen ist. Die Jagd soll die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder fördern und die natürliche Verjüngung mit standortgemäßen Baumarten unterstützen. Im Tessin gilt das Patentjagd-System, was bedeutet, dass Hobby-Jäger ein Patent beim Kanton erwerben müssen – ein Prozess, der Zeit und Geld kostet.
Es gibt jedoch keine Reviere im Tessin. Jäger haben nicht die ganzjährige Verantwortung, die Corti behauptet. Die Jagdausübung ist auf einige Wochen im Herbst beschränkt, und die Jagdberechtigten müssen am Saisonende dem Kanton melden, welche und wie viele Tiere erlegt wurden. Das klingt nach viel Bürokratie, aber ohne sie könnte das Wildmanagement schnell aus dem Ruder laufen.
Ein Aufruf zur Reform
Zali selbst hat zugegeben, dass die Abschüsse durch Hobby-Jäger nicht die gewünschten Erfolge bringen. Das wirft die Frage auf, ob es nicht an der Zeit ist, die Wildtierpolitik im Tessin grundlegend zu reformieren. Ein ehrlicher Blick auf die rechtlichen Grundlagen für die Beauftragung von Hobby-Jägern für hoheitliche Tötungseinsätze scheint unerlässlich. Die Forderung nach einem Wildtiermanagement, das in professionelle staatliche Strukturen gehört, wird lauter. Immerhin, Beutegreifer müssen ihre ökologische Rolle übernehmen dürfen, und die Natur hat ihren eigenen Plan.
Die Kantone sind verantwortlich für die Verhütung von Wildschäden und können jederzeit Maßnahmen gegen geschützte oder jagdbare Tiere anordnen, die großen Schaden anrichten oder eine Gefährdung für Menschen darstellen. Dabei dürfen nur Jagdberechtigte und Aufsichtsorgane mit der Durchführung dieser Maßnahmen beauftragt werden. Ein komplexes Geflecht aus Gesetzen und Vorschriften, das mit Sorgfalt behandelt werden muss. Der Bund koordiniert diese Maßnahmen und sorgt dafür, dass das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur gewahrt bleibt.
So bleibt das Thema Hobby-Jagd im Tessin ein heißes Eisen. Die Diskussionen brodeln, und während die einen die Jagd als notwendiges Übel sehen, empfinden andere sie als überflüssig. Was bleibt, ist die Frage, wie wir in Zukunft mit unserer Natur und ihren Geschöpfen umgehen wollen – und ob wir bereit sind, die notwendigen Veränderungen anzunehmen.