In der aktuellen Debatte um Zuwanderung und Arbeitskräfte wird in der Schweiz ein ganz spezielles Kapitel aufgeschlagen. Vorneweg: Es ist nicht nur das Thema, das die Gemüter erhitzt, sondern auch die Protagonisten, die sich in diesem Drama wiederfinden. Ein besonders interessantes Licht wirft Magdalena Martullo-Blocher, die Vizepräsidentin der SVP und Chefin der Ems-Chemie. Während ihre Partei kräftig gegen die Zuwanderung mit der Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» trommelt, zeigt sich Ems-Chemie als aktiver Rekrutierer in der EU. Ein Widerspruch, der nicht unbemerkt bleibt!
Aktuell sucht Ems-Chemie händeringend nach Fachkräften – und das ausgerechnet in der EU, trotz der strengen Sprachregelungen ihrer eigenen Partei. Stellenangebote finden sich auf Plattformen wie StudySmarter.de und talent.com, sogar Inserate für italienische Grenzgänger wurden auf «Frontaliere Ticino» veröffentlicht. Laut Ems-Chemie bleibt den Unternehmen nichts anderes übrig, als Spezialisten aus dem Ausland zu holen, weil in der Schweiz nicht genügend Fachkräfte ausgebildet werden. Das Unternehmen beschäftigt derzeit 2.800 Personen, mit einem Ausländeranteil von 35% bis 2025. Wer hätte gedacht, dass eine derart prominente SVP-Vertreterin in so einer Zwickmühle steckt?
Die doppelte Moral der SVP
Das Bild wird noch verworrener, wenn man bedenkt, dass auch andere Unternehmen, die der SVP nahe stehen, wie Green.ch und Swiss Life, internationale Stellenanzeigen schalten. Da fragt man sich doch: Wie passt das zusammen, wenn die SVP einerseits gegen Zuwanderung wettert, aber gleichzeitig ihre Sponsoren aus der Wirtschaft auf die Suche nach internationalen Talenten schicken? Hier wird die Kritik laut, die SVP agiere doppelzüngig. Politiker wie SP-Nationalrat Jon Pult machen keinen Hehl daraus, dass sie das als wenig glaubwürdig empfinden.
Schaut man weiter, stellt sich die Frage, wie lange das gutgehen kann. Peter Spuhler, Verwaltungsratspräsident der Stadler Rail AG, warnt bereits vor den extremen Maßnahmen der SVP-Initiative. Er sieht die Gefahr, dass dies negative Auswirkungen auf Industrie, Forschung und Gesundheitswesen haben könnte. Es wird viel diskutiert, und die Stimmen der Kritiker werden lauter, während der Nationalrat weiterhin über die Initiative berät. Das Ziel: Die Bevölkerung der Schweiz soll bis 2050 auf maximal zehn Millionen begrenzt werden. Wer denkt, das wäre ein einfacher Plan, der irrt sich gewaltig!
Ein Blick auf die Zahlen
Um das Ganze noch klarer zu machen, hier ein paar Zahlen: Aktuell lebt eine Bevölkerung von 9.082.848 Menschen in der Schweiz (Stand Sommer 2023). Prognosen zeigen, dass die 10-Millionen-Marke bereits 2040 überschritten werden könnte – und das mit einem Zuwanderungsanteil von 90% am Bevölkerungswachstum! Vor diesem Hintergrund wirken die Forderungen der SVP wie ein Schlag ins Wasser. Denn die Zuwanderung ist nicht nur ein notwendiges Übel, sondern auch ein Treiber des wirtschaftlichen Wachstums. Ökonom Aymo Brunetti hat es auf den Punkt gebracht: Zuwanderung bringt wirtschaftliche Vorteile, aber auch Herausforderungen wie Dichtestress.
Und während sich die SVP für eine strikte Limitierung der Zuwanderung einsetzt, bleibt die Frage, wie sie die notwendige Balance zwischen Wirtschaft und sozialer Verantwortung finden will. Denn eines ist klar: Die Zuwanderung wird auch in Zukunft ein heißes Eisen bleiben, an dem sich die Gemüter scheiden. Irgendwie scheint es, als würde die Diskussion weitergehen, ohne dass ein klares Ende in Sicht ist.