Heute ist der 15.06.2026 und im Kanton Tessin gibt es spannende Änderungen in der Bildungslandschaft, die sowohl Schüler als auch Lehrkräfte betreffen. Ab September 2026 wird der Deutschunterricht für die Oberstufe, also für die Schülerinnen und Schüler der ersten Klasse, ein Jahr früher beginnen. Bisher war das erst in der zweiten Klasse der Sekundarschule der Fall. Der Grosse Rat hat im Frühjahr 2023 diesen Schritt beschlossen, um den Deutschunterricht zu intensivieren. Das klingt ja alles ganz toll, aber wie so oft gibt es auch Schattenseiten.

Mit der Einführung von zwei Deutschlektionen in der Oberstufe wird die Gesamtzahl der Lektionen nicht erhöht. Das hat zur Folge, dass andere Fächer, darunter Französisch und der freiwillige Religionsunterricht, deutlich weniger Zeit im Stundenplan bekommen. Der Religionsunterricht wird nun auf Randzeiten verlegt – er findet also künftig mittags oder am Ende des Schultages statt. Das ist nicht gerade ideal für die Schüler, die sich dann wohl eher weniger für den Unterricht entscheiden werden. Aktuell besuchen 40% der Schülerinnen und Schüler den Religionsunterricht, doch für das kommende Schuljahr haben sich nur noch 28% angemeldet. Das ist ein dramatischer Rückgang!

Die Auswirkungen auf den Religionsunterricht

Die Entscheidung hat auch direkte Auswirkungen auf die Lehrkräfte. 25 Teilzeit-Lehrkräfte sind vom Rückgang des Religionsunterrichts betroffen. Das ist nicht nur eine Frage des Unterrichts, sondern auch der beruflichen Existenz. Emanuela Di Marco, die Interimsleiterin des Diözesanbüros für schulischen Religionsunterricht, hat sich bereits zu Wort gemeldet. Sie betont die Wichtigkeit der Zusammenarbeit mit dem Erziehungs-, Kultur- und Sportdepartement (DECS), um gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Und das ist auch nötig, denn der Religionsunterricht wird nur bei einer Mindestanzahl von drei Schülern angeboten. Das könnte in Zukunft eine echte Herausforderung werden.

Ein weiterer Punkt, der nicht zu vernachlässigen ist: Die Anreisewege der Lehrpersonen sind oft lang, was den personellen Aufwand erhöht. In den meisten Schulen gibt es nur eine evangelische Religionsstunde, was die Rekrutierung und Ausbildung von Lehrkräften zusätzlich erschwert. Diese Herausforderungen könnten bedeuten, dass die Qualität des Religionsunterrichts leidet, insbesondere wenn der Unterricht finanziell vom Kanton unterstützt wird. Die Kosten in den Primarschulen werden durch die beiden kantonal anerkannten Kirchen getragen, doch die Beiträge der politischen Gemeinden und Kirchgemeinden decken nur etwa zwei Drittel der Kosten. Woher soll das Geld für den Rest kommen?

Finanzierung und Unterstützung

Die Finanzierung bestimmter kirchlicher Aufgaben wird oft durch wenige kirchennahe Stiftungen unterstützt, aber das reicht nicht immer aus. Freiwillige Spenden, Legate und Erträge aus Liegenschaften sind unerlässlich, um den Religionsunterricht aufrechtzuerhalten. Es ist ein Kampf um die Zukunft des Religionsunterrichts, der in der Oberstufe eine immer kleinere Rolle spielt. Die Unterstützung durch die Gemeinden könnte entscheidend sein, um das Angebot zu sichern und den Schülern eine Wahl zu lassen, die über die Pflichtfächer hinausgeht.

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Wie sich die Situation entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Der Druck auf die Entscheidungsträger steigt, und es gilt, die Balance zwischen den Bildungsbedürfnissen und den Ressourcen zu finden. Die kommenden Monate werden spannend – nicht nur für die Schüler, sondern auch für die Lehrkräfte, die sich auf ungewisse Zeiten einstellen müssen.