Im Tessin sorgt das Verschwinden des mutmaßlichen Terroristen Bruno Bréguet weiterhin für Aufsehen. Der Bezirksrichter von Locarno hat ihn offiziell für verschollen erklärt. Bréguet, der 1970 in Israel wegen Sprengstoffbesitzes verhaftet wurde, galt als Vertrauter des berüchtigten venezolanischen Terroristen Carlos. Geboren in Muralto, verschwand er im November 1995 auf der Überfahrt zwischen Ancona und Igoumenitsa, ohne eine Spur zu hinterlassen.

Bereits als Gymnasiast identifizierte sich Bréguet mit der „Volksfront zur Befreiung Palästinas“. Seine radikale Einstellung führte dazu, dass er 1970 im Alter von 20 Jahren wegen eines mutmaßlichen pro-palästinensischen Anschlags in Israel inhaftiert wurde. Während seiner Freiheitsstrafe radikalisierte er sich weiter und wurde 1982 in Frankreich wegen mutmaßlicher Komplizenschaft mit Carlos erneut inhaftiert. Ein Schweizer Historiker behauptet sogar, dass die CIA ihn Anfang der 1990er-Jahre rekrutierte, um Informationen über Carlos zu liefern.

Das rätselhafte Verschwinden

Am 5. Januar 1996 reichte Bréguets Anwalt eine Klage bei der schweizerischen Bundesanwaltschaft ein, in der behauptet wurde, dass er durch griechische Sicherheitsdienste illegal festgenommen worden sei. In der Folge bat die Bundesanwaltschaft das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten um Nachforschungen bei den griechischen Behörden. Das griechische Innenministerium bestätigte am 8. Januar 1996, dass Bréguet an Bord der Fähre Lato war und kurz vor dem Ausschiffen verschwunden ist. Seine Identitätskarte blieb zunächst im Besitz des Schiffes und wurde den griechischen Behörden übergeben.

Die griechischen Behörden erklärten, dass Bréguet nicht in griechischer Haft sei, was zu weiteren Spekulationen über sein Verschwinden führte. Medien berichteten von möglichen Entführungen durch Geheimdienste und sogar von der Möglichkeit, dass Bréguet bei einem Verhör in einem geheimen CIA-Gefängnis in Ungarn ums Leben gekommen sein könnte. Trotz aller Bemühungen der Schweizer Regierung, die nachforschungen bei den griechischen Behörden durchzuführen, blieben die Ergebnisse bis zum 22. Mai 1996 leider erfolglos.

Ein mysteriöser Fund

Im August 2001 wurden am Strand von Igoumenitsa menschliche Skelettreste gefunden. Erste Untersuchungen schätzten den Todeszeitpunkt auf etwa sechs Jahre vor dem Fund, und die Knochen stammten von einem 40- bis 45-jährigen Mann. Eine DNA-Analyse ergab jedoch, dass die Gebeine mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht von Bruno Bréguet stammten. Diese Wendung wirft weitere Fragen auf und verstärkt die Spekulationen über sein Schicksal.

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Bréguets Verschwinden bleibt ein Rätsel, das die Gemüter bis heute bewegt. Ob er sich ein neues Leben aufgebaut hat, ob er Opfer eines Geheimdienstes wurde oder ob er sich tatsächlich ins Meer gestürzt hat, bleibt ungewiss. Sein Vater äußerte zuletzt die Vermutung, dass er sich ins Wasser gestürzt habe, doch die Wahrheit bleibt im Nebel der Geschichte verborgen. Das Schicksal von Bruno Bréguet wird wohl weiterhin ein Mysterium für die Nachwelt bleiben.