Heute ist der 16.05.2026 und während ich hier in Schaffhausen sitze, kommt mir eine Frage in den Kopf: Wie wichtig sind eigentlich Grosseltern für die Kinderbetreuung in der Schweiz? Man könnte meinen, dass sie nur ab und zu für ein paar Stunden einspringen, aber die Fakten sprechen eine ganz andere Sprache. Ein Blick auf die Zahlen bringt Überraschendes ans Licht!
In der Schweiz leisten Grosseltern jährlich sage und schreibe 160 Millionen Stunden an Kinderbetreuung – das ist ein enormer Beitrag, der einen Gegenwert von 8,2 Milliarden Schweizer Franken hat! Ja, richtig gehört, Milliarden. Wenn man das hört, kann man sich kaum vorstellen, wie das System ohne diese Unterstützung aussehen würde. Immerhin betreuen 42% der Grosseltern mit Enkelkindern unter 13 Jahren diese mindestens einmal pro Woche. Und es sind nicht nur die ganz Kleinen: 21% der Grosseltern springen mindestens monatlich ein, während 12% seltener oder hauptsächlich in den Ferien zur Stelle sind. Das ist eine echte Unterstützung für die Eltern, die dadurch mehr Freiraum für ihre beruflichen Verpflichtungen haben, ohne dass zusätzliche Kosten entstehen.
Die Rolle der Grosseltern
Historisch betrachtet war die Betreuung durch Grosseltern in Grossfamilien der Normalfall. Dieser Brauch ist nicht einfach in Vergessenheit geraten – er hat sich in der modernen Gesellschaft gehalten. Die positive Auswirkung auf die Lebenszufriedenheit von Grosseltern, Eltern und Enkeln ist nicht zu unterschätzen. Das freiwillige Engagement, das in der Schweiz einen hohen Stellenwert hat, zeigt sich hier besonders deutlich. Pro Senectute hebt die große Bedeutung der Grosseltern hervor und bemerkt, dass das Ausmaß ihrer Unterstützung oft unterschätzt wird. Gerade während der Corona-Pandemie wurde die zentrale Rolle der Grosseltern in der Familienorganisation ganz offensichtlich.
Insgesamt nutzten 2023 rund zwei Drittel aller Kinder unter 13 Jahren in der Schweiz familienergänzende Betreuung. Besonders in der französischsprachigen Schweiz sind Kindertagesstätten und schulergänzende Betreuungseinrichtungen beliebt – über 50% der Haushalte greifen auf diese Angebote zurück. In der Deutschschweiz sind es 41%, im Tessin sogar nur 37%. Die durchschnittliche Betreuungsdauer für Kinder unter 13 Jahren beträgt 14 Stunden pro Woche, wobei Kinder unter vier Jahren sogar durchschnittlich 20 Stunden in Betreuungseinrichtungen oder bei betreuenden Personen verbringen. Hierbei leisten Grosseltern einen besonders wichtigen Beitrag: Rund 46% der Eltern von Kleinkindern bis drei Jahre nutzen ihre Hilfe.
Ein europaweiter Vergleich
<pIm Vergleich zu anderen europäischen Ländern sieht die Situation hierzulande ganz anders aus. In Deutschland und Frankreich liegt der Anteil an privater Fremdbetreuung bei maximal 10%. In Österreich und Italien sind es rund ein Drittel. In der Westschweiz ist die Betreuung in Tagesfamilien stärker verbreitet als in der Deutsch- und Italienischsprachigen Schweiz. Das macht die Rolle der Grosseltern umso bedeutender, denn 40% der Kinder in der Schweiz besuchten 2023 eine Kindertagesstätte oder eine schulergänzende Betreuungseinrichtung, während nur 6% in einer Tagesfamilie untergebracht waren.
Ein Drittel der Kinder wird in einer „gewöhnlichen Woche“ von Grosseltern betreut – das sind beachtliche 157 Millionen Stunden pro Jahr. Komischerweise sind Nannys, Au-pairs und Babysitter mit nur 3% vergleichsweise selten in Anspruch genommen. Das zeigt einmal mehr, wie stark der familiäre Zusammenhalt in der Schweiz verankert ist. Die Grosseltern sind nicht nur eine Unterstützung, sie sind eine Institution!