In Nidwalden, wo die Berge die Wolken kitzeln und die Seen glitzern, hat sich ein ganz besonderer Ort für Musikfreunde und Tanzbegeisterte aufgetan. Die Ausstellung „No Time To Lose“ erzählt auf faszinierende Weise die Geschichte der Tanzmusik im Kanton Nidwalden, und das von 1900 bis heute. Co-Kurator Joel Wehrle, ein Historiker mit einem Faible für die Melodien der Vergangenheit, hat sich zusammen mit Catherine Huth um die Szenografie gekümmert. Und das Ergebnis? Ein Erlebnis, das zum Schwofen einlädt!
Hier wird nicht nur die Musik gefeiert, sondern auch die Orte, an denen sie gehört und getanzt wurde. Wirtshäuser, Discos, Dancings und Festivals stehen im Mittelpunkt. Man denkt an Volksmusik in einem Salzmagazin, Jazz in Dancings und die legendären Discos wie Happy Day und Harissen, die einst das Nachtleben der Innerschweiz prägten. Die Ausstellung zeigt, wie sich die musikalischen Vorlieben über das 20. Jahrhundert hinweg gewandelt haben und thematisiert die Kontinuitäten sowie die Veränderungen im musikalischen Vergnügen.
Ein Blick in die Vergangenheit
Ein ganz besonderer Reiz der Ausstellung liegt in der Beleuchtung der Musik aus dem Kanton. Von Volksmusikgrössen bis hin zu Popstars, die „made in Nidwalden“ sind – hier gibt es einiges zu entdecken. Auch die Hintergrundgeschichten zu Hits und noch nie gehörten Musikstücken sind ein Highlight. Und für alle, die das Tanzen lieben, wurde eine Disco im Stil der 70er- und 80er-Jahre nachgebaut! Da kann man sich gar nicht entziehen, einfach mal wieder die Hüften schwingen.
Doch die Ausstellung geht noch weiter. Sie beleuchtet den Einfluss von Konflikten mit dem Gesetz, sich wandelnden moralischen Vorstellungen und technischen Neuerungen auf die Musik. Diese Wechselwirkungen zwischen Musik und Gesellschaft sind von enormer Bedeutung. Die Schau zeigt, wie die Klänge und Rhythmen, die unser Leben so sehr prägen, nicht nur unsere Stimmung, sondern auch unsere Kultur beeinflussen.
Musikalische Melancholie der 1920er
<pWenn wir über Tanzmusik sprechen, dürfen wir die 1920er Jahre nicht auslassen. Eine Zeit, in der das Vergnügen in Großstädten wie Berlin blühte. Vergnügungsetablissements waren die Hotspots der Musikszene, und das Lied "Schöner Gigolo, armer Gigolo" von Julius Brammer und Leonello Casucci spiegelt die Melancholie dieser Epoche wider. Es erzählt die Geschichte eines ehemaligen Soldaten, der als Eintänzer arbeitet – ein Bild, das die gesellschaftlichen Umwälzungen jener Zeit verkörpert. Interessant ist, dass die erste Einspielung des Liedes am 22. August 1929 erfolgte, und die Originalaufnahme einen spürbaren Tango-Rhythmus aufweist, der sich von späteren Versionen unterscheidet.
In den 20ern war die Tanzmusik von einer besonderen Energie geprägt. Tango, Boston, Foxtrott – all diese Tänze fanden ihren Weg in die Herzen der Menschen. Die Klänge wurden durch Zeitungen, Rundfunk und Grammophonplatten verbreitet und fanden ihren Platz in den Revuen und Kabarettaufführungen. Claire Waldoff, eine prominente Künstlerin dieser Zeit, trat für die Emanzipation der Frauen ein und brachte frischen Wind in die Musikszene.
So zeigt die Ausstellung „No Time To Lose“ nicht nur die Entwicklung der Tanzmusik im Kanton Nidwalden, sondern verwebt auch die Geschichten und Klänge, die über die Grenzen hinausgehen. Ein Besuch lohnt sich definitiv – denn Musik ist nicht nur Klang, sie ist auch ein Spiegel unserer Gesellschaft und unserer Geschichte.