Im malerischen Neuenburg hat das Einkaufszentrum Marin Centre im ersten Stock seit April Unisex-Toiletten installiert. Ein Schritt, der nicht nur die Gemüter spaltet, sondern auch die Diskussion um geschlechtergerechte Sanitärräume neu entfacht. Eine Besucherin äußerte sich, dass sie sich auf den neuen Toiletten unwohl und unsicher fühlt – ein Gefühl, das nicht ganz unberechtigt ist, bedenkt man die bisherige Trennung der Geschlechter. Bislang hat die Migros Neuenburg-Freiburg jedoch weniger als fünf negative Rückmeldungen zu den Unisex-Toiletten erhalten. Immerhin bleiben im Erdgeschoss geschlechtergetrennte Toiletten als Alternative bestehen, was für viele eine willkommene Option darstellt.

Ein Mann berichtete, dass er sich nicht mehr bei den Lavabos aufhält, wenn Frauen sich dort schminken. Man kann sich vorstellen, dass die Atmosphäre auf den Unisex-Toiletten nicht jedermanns Sache ist. Fabrice Auber, Kommunikationschef der Migros Neuenburg-Freiburg, hat allerdings von regelmäßigem Lob für den Sanitärbereich gehört. Unisex-Toiletten ermöglichen es beispielsweise Schulklassen, gemeinsam die Toilette aufzusuchen, und auch Eltern mit Kindern profitieren von größeren Familientoiletten. Die Neugestaltung berücksichtigt zudem die Bedürfnisse von nonbinären Personen und Menschen, die Unterstützung benötigen. Ein echter Fortschritt, könnte man sagen!

Der gesellschaftliche Kontext

Die Einführung geschlechtsneutraler Toiletten ist nicht nur ein lokales Phänomen. Seit 2018 gibt es in Deutschland den Geschlechtseintrag „divers“, was den Diskurs über geschlechtergerechte Sanitärräume für nicht-binäre, intergeschlechtliche und transgeschlechtliche Personen befeuert hat. Die gängige, binär-geschlechtliche Beschilderung schließt viele Menschen aus. Das führt nicht selten dazu, dass Betroffene öffentliche Toiletten meiden, was gesundheitliche Probleme nach sich ziehen kann. Die Notwendigkeit eines diskriminierungsfreien Zugangs zu Sanitärräumen für alle Geschlechter ist also dringender denn je. Ein Vorschlag, der immer mehr Gehör findet, sind Unisex-Toiletten – ob als Einzelkabinen oder Mehrpersonen-Anlagen.

In Neubauten werden geschlechtsneutrale Einzeltoiletten empfohlen, und auch die Umwidmung bestehender Toilettenanlagen wird als kostengünstige Lösung diskutiert. Die Vorteile liegen auf der Hand: weniger Diskriminierung, Erleichterung für Väter mit Kindern und eine effizientere Nutzung der Räumlichkeiten. Ein Beispiel gefällig? In Deutschland gibt es bereits Unisex-Toiletten in Flugzeugen, Bahnen und Geschäften. Und das Pilotprojekt in Berlin 2015, das geschlechtsneutrale Toiletten in einem Senatsgebäude einführte, war ein echter Trendsetter.

Neue Richtlinien für alle Geschlechter

Eine weitere spannende Entwicklung: Die überarbeitete VDI-Reihe 6000, die im Juli 2023 erschien, behandelt die Gestaltung von Sanitärräumen für Arbeitsstätten und Behörden. Besonders das Thema Diversität wird hier endlich ernst genommen. Die neuen Richtlinien schließen die Lücken bei gendergerechter Toilettengestaltung, die seit der gesetzlichen Verankerung der „dritten Option“ Ende 2018 bestehen. Die Festlegungen für Maße, Beschaffenheit und die allgemeine Gestaltung von Sanitärräumen sind jetzt so formuliert, dass sie für alle Geschlechtsidentitäten funktionieren.

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Thomas Wollstein, der Verantwortliche in den VDI-Fach- und Richtlinienausschüssen, ist stolz darauf, dass die neuen Richtlinien Diversität berücksichtigen. Sie bieten nicht nur Orientierung für betriebliche Maßnahmen, sondern auch konkrete Anweisungen für „All-Gender-Toiletten“, die geschlechtsunabhängig genutzt werden können. Das wird vor allem für Behörden und Kommunen eine Erleichterung sein, denn die Umsetzung dieser Anforderungen wird nun einfacher.

Die Zukunft der Sanitäranlagen in Neuenburg und darüber hinaus scheint also vielversprechend – auch wenn der Weg dorthin nicht immer reibungslos verläuft. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Diskussion um Unisex-Toiletten weiterentwickelt und welche Lösungen in der Praxis tatsächlich Fuß fassen werden.