Skateboarding: Kunst, Politik und Lebensgefühl im Ethnografischen Museum Neuenburg
Heute ist der 20.07.2026 und ich bin in Neuenburg, um die aufregende Ausstellung «Skate of Mind» im Ethnografischen Museum zu besuchen. Hier wird das Skateboarding mal ganz anders betrachtet. Es geht nicht nur um Tricks und Rampen, sondern um die spannende Verbindung zwischen Sport und Kunst. Man könnte sagen, die Skater-Decks sind wie aufwendig gestaltete Miniaturgalerien, die die Kreativität der Skater in die Welt hinaus tragen.
Julien Glauser beschreibt Skater als «die neuen Flaneure» – Menschen, die den urbanen Raum erkunden und dabei eine eigene Ästhetik schaffen. Es ist schon faszinierend, wie sie in der Stadt nach übersehenen Räumen suchen, die sie mit Bedeutung füllen. Skateboarding wird hier als postmodernes Phänomen präsentiert, das tief in Kunst, Popkultur, Markt und Aktivismus verwurzelt ist. Die Exponate, darunter Fotografien von Fred Mortagne und Alan Maag, dokumentieren diese einzigartige Beziehung zwischen Skateboarding und Kunst auf eindrucksvolle Weise.
Die politische Dimension des Skateboardings
Ein weiteres spannendes Thema der Ausstellung ist die politische Dimension des Skateboardings. Gerade öffentliche Räume sind oft umkämpft. Die Skater setzen sich für ihre Rechte ein und zeigen, dass sie nicht nur Spaß haben, sondern auch einen Platz in der Stadt beanspruchen. Ein Abschnitt der Ausstellung widmet sich dem DIY-Prinzip, das Skateboarding und Punkrock verbindet – eine Art von Eigenverantwortung und Kreativität, die zeigt, dass man auch ohne große Mittel etwas bewegen kann.
Wusstest du, dass in Berlin der DogShitSpot, ein DIY-Skatepark, von Skatern selbst geplant und gebaut wurde? Diese Initiative zeigt, wie engagiert die Skate-Community ist. Die Fläche, die vor zehn Jahren noch als ungenutzt galt, wurde in einen lebendigen Ort für Tricks und Rampen verwandelt. In Berlin gibt es mittlerweile fast 100 offizielle Skateparks, und jeder hat seinen eigenen Charme – von großen Anlagen wie DogShitSpot bis hin zu kleineren Parks mit nur einer Rampe.
Skateboarding als individueller Lebensausdruck
Die Beziehung zwischen Skateboarding und individueller Ausdrucksweise ist ein weiterer faszinierender Aspekt. Jonathan, ein 30-jähriger Skateboardtrainer, beschreibt, wie Skater öffentliche Räume kreativ nutzen, um ihre Tricks zu zeigen. Es ist kein Mannschaftssport, sondern eine persönliche Ausdrucksform, die über Generationen hinweg funktioniert. Auch die jüngere Generation zeigt sich begeistert: Es gibt einen Anstieg an weiblichen Skatern, die durch spezielle Kurse für Mädchen gefördert werden.
Und während die Skater auf ihren Boards durch die Stadt cruisen, gibt es manche, die sich auch für soziale Projekte einsetzen. Der Berliner Verein Drop-In bietet Skateboarding-Kurse für geflüchtete Jugendliche an und fördert so nicht nur das Skateboarding, sondern auch die Sprachkenntnisse und interkulturellen Beziehungen. Skateboarding hat sich also längst zu einer Plattform für Austausch und Integration entwickelt.
Die Ausstellung in Neuenburg ist bis zum 7. März 2027 geöffnet und bietet die Möglichkeit, die Exponate nicht nur zu betrachten, sondern zu bestimmten Zeiten auch selbst mit Skateboards zu erkunden. So wird der Besuch zu einem interaktiven Erlebnis, das die Verbindung zwischen Kunst und Sport lebendig macht. Wer also in der Gegend ist, sollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Denn Skateboarding ist weit mehr als nur ein Sport – es ist eine Lebenseinstellung, die Raum für Kreativität und Individualität schafft.
