In einem wegweisenden Schritt hat der Kanton Neuenburg als erster in der Schweiz das Steigenlassen von Ballons und Himmelslaternen verboten. Das Kantonsparlament nahm den Gesetzesentwurf der Gruppe VertPOP am Dienstag mit 55 Ja-Stimmen, 36 Nein-Stimmen und 9 Enthaltungen an. Dieses Verbot wurde mit dem Ziel eingeführt, die Umwelt zu schützen und die Verbreitung von Plastikabfällen zu reduzieren.
Cloé Dutoit von den Grünen, die Erstunterzeichnerin des Gesetzesentwurfs, erläuterte, dass das Steigenlassen von Ballons mit der Problematik der Plastikverschmutzung gleichzusetzen sei. Diese Praxis hat schädliche Folgen für Wild- und Haustiere, die durch die zurückgelassenen Überreste gefährdet werden. Zudem werden Himmelslaternen als Brandrisiko eingestuft, insbesondere in den heißen Sommermonaten, weshalb ihr Einsatz bereits in mehreren Regionen der Schweiz untersagt ist.
Umweltfreundliche Alternativen
Die Befürworter des Verbots weisen darauf hin, dass es zahlreiche umweltfreundliche Alternativen für festliche Aktivitäten gibt. So könnten beispielsweise Bäume gepflanzt oder Drachen steigen gelassen werden, was der Umwelt zugutekommt und gleichzeitig Freude bereitet. Die SVP hingegen kritisiert das Verbot als unnötig und argumentiert, dass das Steigenlassen von Ballons eine marginale Praxis sei. Sie warnen zudem vor potenziellen Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Verbots.
Der Staatsrat äußerte sich ebenfalls negativ zum Verbot und plädierte für eine Sensibilisierung der Bevölkerung, da Ballons und Himmelslaternen nicht als Littering eingestuft werden. Es ist erwähnenswert, dass das Verbot keine Feuerwerke betrifft, die bereits einer Bewilligungspflicht unterliegen.
Ein Blick auf Plastikvermeidung in der Schweiz
In einem breiteren Kontext ist das Verbot in Neuenburg Teil eines zunehmenden Bewusstseins für Umweltfragen in der Schweiz. So feiert das Schweizer Umweltschutzgesetz (USG) im Jahr 2025 sein 40-jähriges Bestehen. Trotz dieser langen Geschichte wurden gesetzliche Bestimmungen zur Reduktion von Plastik bisher nur unzureichend umgesetzt. OceanCare, eine internationale Meeresschutzorganisation, kritisiert in einem aktuellen Bericht die wirtschaftsfreundliche Ausrichtung, die effektive Lösungen für Umweltprobleme behindert.
Die Organisation fordert eine konsequente Umsetzung des USG und hat Handlungsempfehlungen abgeleitet, um das Plastikproblem zu bekämpfen. Jährlich gelangen rund 9 Millionen Tonnen Plastik in die Weltmeere, auch die Schweiz bleibt hiervon nicht verschont. Es wird deutlich, dass der Umweltschutz in der Schweiz eine stärkere Priorität erhalten sollte, um den Herausforderungen der Plastikverschmutzung wirksam zu begegnen.
Das Verbot in Neuenburg könnte als ein erster Schritt in die richtige Richtung gewertet werden. Es zeigt, dass das Bewusstsein für die negativen Auswirkungen von Plastik und anderen umweltschädlichen Praktiken wächst. Die Frage bleibt jedoch, ob dies der Anfang einer umfassenderen Bewegung hin zu einem nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen ist.