Energie aus Schienen: Das erste Photovoltaik-Kraftwerk zwischen Bahngleisen in der Schweiz
Inmitten der Neuenburger Berge, wo sich die Natur still und beschaulich zeigt, hat ein wahrhaft bahnbrechendes Projekt das Licht der Welt erblickt. Am 24. April 2025 wurde das weltweit erste zwischen Bahnschienen verlegte Photovoltaik-Kraftwerk von Sun-Ways eingeweiht. Bei trübem Wetter, das die Feierlichkeiten nicht mindern konnte, versammelten sich Vertreter der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), des Bundesamtes für Verkehr (BAV) und des Neuenburger Staatsrates, darunter Laurent Favre. Die Neugier auf diese innovative Technologie war nicht nur in der Schweiz groß; auch ausländische Delegationen schauten interessiert vorbei.
Ein Jahr zuvor, also schon 2024, nahm das Pionierprojekt seinen Anfang. Über 11’000 Züge fuhren seither über die Solarmodule, die auf einem hundert Meter langen Streckenabschnitt in Buttes installiert wurden. Diese Solarmodule, die zwischen den Schienen angebracht sind, sind nicht nur optisch interessant, sie haben auch das Potenzial, die Energieproduktion in der Schweiz revolutionär zu verändern. Mit einer Gesamtleistung von 18 kW können die 48 Solarmodule jährlich voraussichtlich 16.000 kWh erzeugen, was dem Jahresverbrauch von 3 bis 4 Haushalten entspricht. Wer hätte gedacht, dass Bahnschwellen so viel Energie liefern können?
Ein Schritt in die Zukunft
Das Projekt hat das Potenzial, das gesamte Schweizer Schienennetz von 5320 km in eine grüne Energiequelle zu verwandeln. Schätzungen zufolge könnte dies jährlich bis zu eine Milliarde kWh Solarenergie produzieren, genug, um den Bedarf von 300.000 Haushalten zu decken oder rund 2% des gesamten Stromverbrauchs in der Schweiz. Das wäre doch ein Traum, oder? Und das Beste daran: Der Bahnbetrieb wurde durch die Installation nicht beeinträchtigt. TransN, das öffentliche Verkehrsunternehmen des Kantons Neuenburg, bestätigte, dass alles reibungslos läuft. Auch das Blendungsrisiko für Lokführer scheint sich nicht zu bestätigen – bislang gab es keine entsprechenden Meldungen.
Die Technologie weckt auch in Nachbarländern Interesse. So hat die SNCF, die französische Bahn, einen Kooperationsvertrag mit Sun-Ways abgeschlossen, und Gespräche mit dem italienischen Unternehmen RFI sowie Partnerschaften mit Firmen aus Südkorea und Indonesien sind im Gange. Das zeigt, dass die Schweiz nicht nur innovativ ist, sondern auch mit gutem Beispiel vorangeht. Doch wie es in der Natur der Sache liegt, gibt es auch Herausforderungen. Die aktuelle Technologie ist für Abschnitte über 500 Meter nicht geeignet, und die Hauptschwierigkeit bleibt, den erzeugten Strom auf Hochspannung zu bringen, damit er über große Distanzen transportiert werden kann.
Ein Blick in die Zahlen
Wenn wir über Zahlen sprechen, wird es besonders spannend: Bis 2035 muss die Schweiz ihre Solarstromproduktion auf fast 28 TWh versiebenfachen, da große Flächen für Photovoltaik-Anlagen zunehmend knapper werden. Mit einer Trassenlänge von 5.000 km könnte das Sun-Ways-System theoretisch 1 TWh pro Jahr produzieren, was wiederum 30% des Energiebedarfs des öffentlichen Verkehrs decken und 200.000 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen könnte. Das sind ordentlich Zahlen! Und wer weiß, vielleicht wird das der Anstoß für weitere innovative Projekte in der Schweiz und darüber hinaus.
Die Zukunft der erneuerbaren Energien sieht in der Schweiz vielversprechend aus. Im Jahr 2025 sollen bereits 55,1 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen, wobei der Anteil der Photovoltaik um über 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr steigen könnte. Die installierte Leistung wird voraussichtlich knapp über 120.000 MW betragen. Ein echter Lichtblick, wenn man bedenkt, dass die Welt sich in eine nachhaltige Richtung bewegen muss.
Ob das Sun-Ways-Projekt das erste von vielen ähnlichen Initiativen sein wird? Die nächsten drei Jahre werden zeigen, ob es die gewünschten Ergebnisse liefert und ob die Technologie für eine breitere Anwendung geeignet ist. Wir sind gespannt auf die Entwicklungen! Und wem die ganze Technik zu viel ist, der kann sich einfach zurücklehnen und die Züge beobachten, die über die solarbetriebenen Gleise fahren – vielleicht mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen und einem Hoffnungsschimmer im Herzen.
