Die steigende Zahl an Touristen in der Schweiz – ein Phänomen, das viele Einheimische mit gemischten Gefühlen betrachten. Das Thema Overtourism, also die Überlastung von Sehenswürdigkeiten, hat in den letzten Jahren an Brisanz gewonnen. Der Luzerner Tourismusforscher Florian Eggli hat sich dazu geäußert und die Problematik klar umrissen. Die Smartphone-gestützte Planung von Reisen hat zu einem kaum kontrollierbaren Ansturm auf beliebte Destinationen geführt. Während die Einheimischen in Luzern von den touristischen Dampfschiffen profitieren, sorgt die zunehmende Besucherzahl für Spannungen.
Ein SRF-Dok-Film über Overtourism wurde von verschiedenen Touristikern als übertrieben kritisiert. Eggli selbst nimmt die Situation in Luzern als weniger gravierend wahr – dennoch gibt es Spitzentage, an denen die Menschenmengen kaum zu bewältigen sind. Overtourism ist nicht einfach zu definieren; es ist ein subjektives, situationsabhängiges Phänomen. Die Schweiz war traditionell ein Ort für Premium-Tourismus, und bis vor wenigen Jahren war das Thema Überlastung kaum präsent. Doch die Geschichte der Unzufriedenheit der Luzerner über den Bau von Luxushotels im 19. Jahrhundert bleibt im Gedächtnis.
Die Herausforderung in der heutigen Zeit
Tourismus bringt Innovation und Fortschritt, aber auch eine wachsende Unzufriedenheit. Eine Umfrage in Grindelwald zeigt, dass 80% der Bevölkerung im Sommer die Anzahl der Touristen als zu hoch empfinden. Das veränderte Reiseverhalten, insbesondere durch Reisende aus Schwellenländern, hat die Touristenzahlen in die Höhe schnellen lassen. Eggli betont die Notwendigkeit, das Verhalten der Touristen zu steuern und Verständnis für die Anliegen der Einheimischen zu schaffen. Die Kampagne „Travel with care, leave with memories“, die von Schweiz Tourismus initiiert wurde, ist ein Schritt in die richtige Richtung.
Doch es gibt auch Diskussionen über eine Initiative zur Obergrenze für Hotelbetten in Luzern. Eggli warnt, dass solche Obergrenzen die Entwicklung der Hotellerie behindern könnten. Ein weiterer Aspekt ist, dass sich die Tourismusströme in benachbarte Gemeinden verlagern könnten, was neue Herausforderungen mit sich bringt. Overtourism und Zuwanderung werden oft als parallele Themen betrachtet – beide müssen in einem größeren Kontext betrachtet werden.
Ein Blick in die Zukunft
Die Diversifizierung des Tourismus ist entscheidend, um Krisen zu begegnen. Immer mehr Einheimische verbringen ihre Ferien in der eigenen Heimat, was zeigt, dass der Heimmarkt an Bedeutung gewinnt. Bereits 50% der Feriengäste stammen aus der eigenen Bevölkerung. Das bedeutet einen Wandel in der Wahrnehmung des Tourismus, der in der Ausbildung im Tourismussektor an komplexere Anforderungen angepasst werden muss. Eggli leitet das Institut für Tourismus und Mobilität an der Hochschule Luzern und ist sich der Herausforderungen bewusst, die auf die Branche zukommen.
Inmitten all dieser Entwicklungen bleibt die Frage im Raum, wie der Tourismus nachhaltig gestaltet werden kann. Die Inhalte von Videoplattformen und Social-Media-Plattformen tragen zur Popularität der Orte bei, können aber auch deren Überlastung fördern. Bei der Akzeptanz von Cookies von externen Medien ist oft kein manueller Zugriff erforderlich, was die Kontrolle über die Art der Informationen, die verbreitet werden, erschwert. Das gilt für Plattformen wie Instagram, TikTok und YouTube, deren Inhalte häufig für die Planung von Reisen genutzt werden. Hier könnte ein Umdenken nötig sein, um ein Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen der Touristen und der Einheimischen zu finden.