In der Stadt Luzern wird ein neuer Weg in der Kulturförderung eingeschlagen, der nicht nur den Zugang zu kulturellen Angeboten für Menschen mit Behinderungen verbessern soll, sondern auch die Inklusion in der Kunst- und Kulturszene vorantreibt. Im Rahmen der Kulturagenda 2030 führt die Stadt erstmalig die Ausschreibung „Kulturvermittlung und Inklusion“ durch. Ziel dieser Initiative ist es, ein breiteres Spektrum an kulturellen Aktivitäten zu ermöglichen, die speziell für Menschen mit Behinderungen konzipiert sind. Dies umfasst Workshops, Führungen, Begegnungsformate und Mitwirkungsprojekte, die den Austausch und die Teilhabe fördern.
Ein weiterer Aspekt dieser Kulturagenda ist die zweite Ausschreibung „Infrastrukturförderung“, die sich an kulturelle Institutionen, Vereine und Gruppierungen richtet. Hierbei steht die Verbesserung oder Ergänzung der Infrastruktur im Vordergrund, um nachhaltiges und langfristiges kulturelles Schaffen zu gewährleisten. Die Stadt Luzern fördert dabei eine Vielzahl an Projekten, Veranstaltungen, Publikationen und Recherchevorhaben, die auf Gesuch hin von einer Fachkommission geprüft und bewilligt werden. Weitere Informationen hierzu sind auf der Website zur Kulturförderung der Stadt Luzern verfügbar.
Inklusion auf Bundesebene
Die Bemühungen um Inklusion sind jedoch nicht nur auf Luzern beschränkt. Auch auf Bundesebene wird die kulturelle Teilhabe für Menschen mit Behinderung aktiv gefördert. Projekte und Einrichtungen, die von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) unterstützt werden, müssen Inklusion stärken und erhalten Zuwendungsbescheide mit Auflagen, die sich aus dem Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) ableiten. Diese Maßnahmen tragen zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) bei und sollen die Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen in der kulturellen Teilhabe fördern.
Ein Beispiel für solch eine Initiative ist das Projekt „Access Maker“, das von Un-Label e.V. ins Leben gerufen wurde und Beratung sowie Qualifizierungsangebote zur Inklusion im Kunst- und Kulturbereich bietet. Dieses Projekt wird von 2023 bis 2025 mit bis zu 140.000 Euro gefördert. Ein weiterer Schritt in Richtung Inklusion ist die Einführung der „Vor-Ort Beratung“, die ab April 2024 bei der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel startet.
Herausforderungen und Chancen
Dennoch stehen Kultureinrichtungen vor Herausforderungen, wenn es darum geht, Inklusion zu verwirklichen. Es ist wichtig zu erkennen, dass Inklusion nicht bedeutet, dass jeder Mensch überall immer teilnehmen muss, sondern dass Menschen mit Behinderungen selbstbestimmt die Möglichkeit haben sollten, an kulturellen Angeboten teilzuhaben. Um diese Ziele zu erreichen, sind Mut, Durchhaltevermögen und eine positive Fehlerkultur erforderlich. Es ist notwendig, Barrieren – sowohl physische als auch mentale – zu identifizieren und den Dialog mit den betroffenen Menschen zu suchen.
Die Kulturstiftung des Bundes hat ebenfalls ein Programm für inklusive Kunstpraxis (pik) aufgelegt, das die Arbeitssituation von Künstlerinnen und Künstlern mit Behinderung verbessern soll. Dieses Programm wird von 2022 bis 2025 mit 3,9 Millionen Euro gefördert und zielt darauf ab, dass Kulturinstitutionen inklusiv arbeiten und künstlerisches Personal mit Behinderungen einstellen.
Ein weiterer Fortschritt wird durch das novellierte Filmförderungsgesetz (FFG) erwartet, das am 1. Januar 2025 in Kraft tritt. Es wird die kulturelle Teilhabe im Filmbereich für Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen verbessern und sicherstellen, dass geförderte Filme in barrierefreier Fassung hergestellt und auf allen Auswertungsstufen zugänglich gemacht werden.
Insgesamt zeigt sich, dass sowohl auf lokaler als auch auf bundesweiter Ebene große Anstrengungen unternommen werden, um die kulturelle Teilhabe für Menschen mit Behinderungen zu fördern. Die Kombination aus kreativen Ideen, einem mutigen Ansatz und der Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen, ist entscheidend, um eine inklusive Kulturlandschaft zu schaffen, in der alle Menschen ihren Platz finden können.