Am Donnerstag, dem 16. April, fanden sich zwanzig Bio-Landwirte aus dem Kanton Glarus und Umgebung im Stadthof in Glarus ein. Ihr Hauptaugenmerk lag auf einem aktuellen und brisanten Thema: dem Klimaschutz Diesel, insbesondere der Umstellung auf nachhaltigen Diesel, auch bekannt als HVO 100. Harald Klein, Geschäftsführer der New Prozess AG, stellte HVO 100 als ökologische Alternative für Dieselmotoren vor und erläuterte dessen Herstellung aus wasserstoffbehandelten Pflanzenölen.
Die Vorteile von HVO sind beeindruckend: Der Kraftstoff kann die Treibhausgasemissionen um bis zu 90% reduzieren und wird aus Abfällen von nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. In der Europäischen Union wird HVO bereits seit einem Jahrzehnt erfolgreich eingesetzt, und auch in der Schweiz gibt es mittlerweile etwa fünfzig Tankstellen, die diesen umweltfreundlichen Diesel anbieten. Der Literpreis liegt dabei durchschnittlich 15 bis 20 Rappen über dem von herkömmlichem Diesel, was die Glarner Bio-Bauern dazu veranlasste, die Informationen zur Nachhaltigkeit kritisch zu hinterfragen, jedoch auch Interesse an einer Sammelbestellung zu zeigen.
HVO 100 – Eine saubere Lösung
HVO 100 ist nicht nur eine umweltfreundliche Alternative, sondern auch eine praktische. Laut den aktuellen Informationen kann HVO 100 ohne technische Umrüstungen in bestehenden Dieselverbrennern verwendet werden. Moderne Dieselmotoren sind grundsätzlich für HVO 100 geeignet, was die Umstellung für viele Landwirte und Unternehmen erleichtert. Darüber hinaus verbrennt HVO 100 sauberer und geruchsärmer als herkömmlicher Diesel und bietet mit einer hohen Lagerfähigkeit von zehn Jahren einen weiteren Vorteil.
Die Diskussion über HVO 100 war jedoch nicht das einzige Thema der Veranstaltung. Lina Bitterlin von Pro Natura Graubünden stellte das Projekt Wiesellandschaft 2024-2027 vor, das Lebensräume für Hermelin und Mauswiesel aufwerten soll. Simon Raguth Tscharner, Regionalleiter von bio inspecta Graubünden, sprach über die Herausforderungen im Kontrollwesen, während Rahel Beglinger von Bio Suisse die Aussicht auf eine Verschlankung der Richtlinien im Kontrollprozess thematisierte. Präsident Richi Bamert informierte zudem über aktuelle Themen der Delegiertenversammlung, darunter das Ja zum Spermasexing ab 2027 und die Einführung der Bio Cuisine in Coop Restaurants.
Ein Blick über die Grenzen
Die Relevanz von HVO 100 geht über die Schweizer Grenzen hinaus. In Deutschland wurde am 10. April 2024 die 10. Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) geändert, wodurch HVO 100 an Tankstellen dort in Verkehr gebracht werden darf. Der Kraftstoff wird aus ölhaltiger Biomasse, Abfall- und Reststoffen hergestellt und erreicht derzeit eine THG-Einsparung von 87%. Außerdem ist Palmöl als Ausgangsstoff für Biokraftstoffe nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz ausgeschlossen, was die Nachhaltigkeit von HVO 100 weiter unterstreicht.
Für Tankstellenbetreiber bleibt es eine Entscheidung, ob sie HVO 100 anbieten wollen, doch die wachsende Nachfrage nach nachhaltigen Kraftstoffen zeigt, dass das Interesse an einer umweltbewussten Mobilität stetig zunimmt. HVO 100 könnte somit nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch die gesamte Transportbranche in eine grünere Zukunft führen.
Weitere Informationen zu Biokraftstoffen und den Marktbedingungen finden Sie auf der Seite des Biokraftstoffverbands.