Heute ist der 17.06.2026 und die Stadt Genf steht im Zeichen einer umstrittenen Debatte über den Umgang mit Kokain und Suchtkranken. SP-Regierungsrat Peter Peyer hat sich klar gegen einen zeitnahen Pilotversuch zur Kokainabgabe im Bündner Grossen Rat ausgesprochen. Auf der anderen Seite hat SP-Grossrat Patrik Degiacomi die Möglichkeit einer ärztlich kontrollierten Kokainabgabe für Schwerstsüchtige in Graubünden ins Gespräch gebracht. Das Ganze steht im Kontext eines geplanten Pilotversuchs am Universitätsspital in Genf, der auf viel Aufmerksamkeit stößt – und zwar nicht nur in der Schweiz, sondern auch international.

Die Hintergründe sind komplex, aber die Erwartungen, die mit dem Genfer Projekt verbunden sind, sind vielversprechend: geringere Sterblichkeit, weniger Kriminalität und stabilisierte Lebensumstände für die Betroffenen. Man könnte fast sagen, es fühlt sich an wie ein Wettlauf gegen die Zeit. Peyer hat jedoch klargestellt, dass Graubünden vorerst nicht dem Beispiel Genfs folgen wird. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird, denn die Fachwelt ist sich uneinig darüber, ob eine ärztliche Kokainabgabe ähnliche Effekte wie die heroingestützte Behandlung zeigen könnte.

Ein heikles Thema

Daniele Zullino, Leiter der Abteilung für Suchtmedizin am Universitätsspital Genf, erklärt das Konzept der kokaingestützten Behandlung zur Bekämpfung der Cracksucht. Und ja, Crack – das ist nicht einfach nur eine andere Form von Kokain. Es entsteht durch Erhitzen und Mischen mit Natron und hat eine verheerende Wirkung auf die Betroffenen. Süchtige zeigen oft extremes Verhalten: tagelanges Nichtessen, Nichttrinken und Nichtschlafen. Zullino betont die Notwendigkeit, Schwerstsüchtige mit einer Verschreibung und einem sicheren Ort zum Crack-Rauchen zu erreichen. Das klingt nach einer Herausforderung, die nicht zu unterschätzen ist.

Die geplante Behandlung ähnelt der heroingestützten Therapie, die in der Schweiz bereits erfolgreich umgesetzt wird. Aber hier gibt es auch Kritiker: André Seidenberg, ein Pionier der heroingestützten Behandlung, sieht das Vorhaben als unausgereift und unethisch. Er fordert Nachweise für den Nutzen der Kokainabgabe und hat sogar Zullino angezeigt. Zullino hingegen verteidigt sein Konzept und hält es für weniger gefährlich als frühere Praktiken. Eine hitzige Debatte ist also vorprogrammiert.

Die Zahlen sprechen für sich

Ein weiterer Aspekt, der nicht ignoriert werden kann, sind die aktuellen Zahlen von Sucht Schweiz. Die zeigen einen alarmierenden Anstieg des Kokainkonsums in der Schweiz. Der Druck auf die Problematik wird weiter zunehmen, und die Frage bleibt, wie die Gesellschaft mit dieser Herausforderung umgeht. Der Kanton Graubünden wird den Verlauf des Projektes in Genf mit Interesse verfolgen. Sollten die Ergebnisse positiv ausfallen und die notwendigen bundesrechtlichen Vorgaben geschaffen werden, wird Graubünden die Schaffung eines eigenen Angebots prüfen.

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Es bleibt spannend, wie sich diese Diskussion entwickeln wird. Die Fachwelt, die Politik und die Gesellschaft stehen vor einer Wahl – zwischen einem neuen Weg im Umgang mit Sucht und den alten Mustern, die oft mehr Fragen als Antworten aufwerfen. Ob die kokaingestützte Behandlung ein Lichtblick oder ein Fehlschlag wird, wird sich zeigen. Die Zeit tickt, und der Druck wächst – sowohl für die Betroffenen als auch für die Entscheidungsträger.