Hitzefalle für die Luftmeister: Mauersegler kämpfen ums Überleben in urbanen Städten
In den letzten Jahren haben wir es immer wieder erlebt: Hitzewellen überziehen unser Land und setzen nicht nur uns, sondern auch die Tierwelt enorm zu. Besonders die Mauersegler, diese eleganten Flugkünstler, haben mit den extremen Temperaturen zu kämpfen. Eigentlich verbringen sie fast ihr ganzes Leben in der Luft und kehren nur zur Fortpflanzung an Land zurück. Doch die steigenden Temperaturen unter Dächern, die manchmal bis zu 60 Grad erreichen, machen das Brüten zur Herausforderung. Diese kleinen Vögel sind wahre Meister der Luft, sie schaffen es jährlich, bis zu 190.000 Kilometer zu fliegen – das entspricht beeindruckenden 80 Erdumrundungen während ihres Lebens!
Die Bilder, die sich in Genf abspielen, sind erschütternd. Wenn die Hitze ins Unermessliche steigt, springen junge Mauersegler aus ihren Nestern. Diese oft tödliche Entscheidung ist eine Überlebensstrategie, denn sie können ihre Körpertemperatur nicht ausreichend regulieren. Das Centre Ornithologique de Réadaptation hat in nur drei Tagen etwa 40 verletzte Jungvögel aufgenommen. Und was ist mit den vielen anderen, die nicht gefunden werden? Sie sind verloren, denn Mauersegler können am Boden nicht mehr abheben und sind auf menschliche Hilfe angewiesen. Es ist ein trauriges Schicksal, das viele dieser Vögel treffen könnte.
Die Herausforderung des Nistens
Ursprünglich waren Mauersegler Felsenbrüter, aber die Urbanisierung hat ihre Nistplätze stark eingeschränkt. Während sie in Altbauten wie Kirchtürmen oder Wohnhäusern gerne ihr Zuhause finden, bieten moderne Bauweisen kaum noch geeignete Brutstätten. Die Zerstörung von Nistplätzen durch Renovierungen und die Konkurrenz mit Spatzen und Staren um die wenigen verbleibenden Nischen machen es den Mauerseglern nicht leicht. Bei Kämpfen um Nistplätze können sogar Augenverletzungen auftreten – kein schöner Anblick, muss ich sagen.
Allerdings gibt es auch Hoffnung. Städte beginnen, speziell angepasste Nistkästen zu installieren, um diesen fliegenden Freunden zu helfen. An der Universität Genf wurden nach der Zerstörung von Nester bei Bauarbeiten künstliche Nisthilfen angebracht, die in diesem Jahr erstmals von Mauerseglern angenommen wurden. Das zeigt, dass es Möglichkeiten gibt, den Mauerseglern ein Zuhause zu bieten, auch in unseren modernen Städten. Hagemeister bietet zudem spezielle Nistklinker an, die sich leicht in Gebäudefassaden integrieren lassen und den Vögeln neue Brutstätten eröffnen.
Ein Blick in die Zukunft
Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Der Klimawandel und die Urbanisierung setzen Mauerseglern zu und zwingen sie, immer längere Strecken zur Nahrungssuche zurückzulegen. Die Brutsaison 2022 war geprägt von extremen Wetterbedingungen und führte zu hohen Verlusten bei Nestlingen. Hitze und Nahrungsmangel sind echte Feinde dieser Vögel. Doch trotz aller Widrigkeiten fliegen sie Anfang August in ihre Winterquartiere, mit der Hoffnung, im nächsten Frühjahr zurückzukehren und eine erfolgreiche Brut-Saison zu erleben.
Mauersegler spielen nicht nur eine wichtige Rolle in unserem Ökosystem, indem sie Insektenpopulationen kontrollieren, sondern sie sind auch Teil unserer Kultur. Ihre eleganten Flugmanöver und ihr unverwechselbares Geschrei sind für viele von uns ein vertrauter Teil des Stadtlebens. Es liegt an uns, sicherzustellen, dass sie auch in Zukunft in unseren Städten nisten können. Es ist eine Frage des Artenschutzes und der Biodiversität, die wir nicht ignorieren dürfen. Gemeinsam mit Naturschutzorganisationen wie dem NABU können wir etwas bewegen – sei es durch die Anbringung von Nisthilfen oder durch die Schaffung eines Bewusstseins für diese faszinierenden Geschöpfe. Und wer weiß, vielleicht findet der nächste Mauersegler ja genau hier, in Genf, ein neues Zuhause.
