Heute ist der 15.05.2026 und während ich hier in Genf sitze, packt mich das Thema, das viele von uns betrifft, aber oft im Schatten bleibt. Die Diskriminierung von LGBTIQ-Personen ist ein Thema, das uns alle angeht, und die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Über 80 Prozent der LGBTIQ-Personen erleben Diskriminierung oder sogar Gewalt im Alltag. Das ist nicht nur alarmierend, sondern auch erschreckend. Im Jahr 2025 wurden in der Schweiz 281 Meldungen von Hassverbrechen registriert, und erschreckenderweise ereigneten sich zwei Drittel dieser Vorfälle im öffentlichen Raum. Was macht das mit den Betroffenen? Die seelischen Narben, die solche Erfahrungen hinterlassen, sind oft tief und langanhaltend.
Wenn man sich die Zahlen genauer anschaut, wird einem klar, dass die Dunkelziffer viel höher sein könnte. Nur etwa 10 Prozent der gemeldeten Hassverbrechen werden bei der Polizei angezeigt, hauptsächlich, wenn es um körperliche Gewalt geht. Es ist kein Wunder, dass viele Betroffene aus Angst vor weiteren Repressionen oder weil sie glauben, dass das Vergehen „nicht ernst genug“ ist, lieber schweigen. Der Bundesrat hat im Januar einen nationalen Aktionsplan gegen Hassverbrechen an LGBTIQ-Personen verabschiedet, aber die Frage bleibt: Reicht das aus?
Ein Blick über die Grenze
Wenn wir über Diskriminierung sprechen, können wir nicht die Situation in unseren Nachbarländern ignorieren. In Deutschland zeigt sich ein ähnliches Bild. Im Jahr 2023 wurden dort 17.007 Fälle von Hasskriminalität registriert, davon richteten sich 1.785 Straftaten gegen LGBTIQ. Das ist ein enormer Anstieg im Vergleich zu 2022, wo es noch 1.188 Fälle waren. Auch hier wird der Anstieg teilweise mit der Sichtbarkeit von LGBTIQ-Personen und einer gestiegenen Anzeigenbereitschaft in Verbindung gebracht. Das macht einen nachdenklich.
Die häufigsten Straftaten sind Beleidigungen, Gewalttaten, Volksverhetzungen, Nötigungen und Bedrohungen. Die Zahlen der Gewaltopfer sind ebenfalls angestiegen – 212 im Jahr 2023, im Vergleich zu 197 im Jahr 2022. Das sind nicht nur Zahlen, sondern Geschichten, Emotionen und Schicksale, die dahinterstecken. Eine Dunkelfeld-Studie aus dem Jahr 2020 zeigt, dass 96 Prozent der LGBTIQ-Personen Hate Speech und 87 Prozent körperliche oder sexuelle Übergriffe nicht anzeigen. Warum? Oft sind es die gleichen Gründe wie in der Schweiz: Angst vor Repressalien und das Gefühl, dass die Taten nicht ernst genommen werden.
Ein Lichtblick in trüben Zeiten
Doch es gibt auch Hoffnung. Das Bundeskriminalamt (BKA) in Deutschland setzt sich aktiv für Vielfalt und gegen Hass, Diskriminierung und Gewalt ein. Mit einem Programm zur polizeilichen Kriminalprävention wurde eine Landkarte für Angebote gegen LGBTIQ-gerichtete Straftaten erstellt. Und anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie, Biphobie, Interphobie und Transphobie am 17. Mai wird die Regenbogenflagge gehisst. Ein kleines, aber wichtiges Zeichen der Solidarität. Das BKA fördert eine offene, tolerante und diverse Arbeitsumgebung, und das ist ein Schritt in die richtige Richtung.
Am Ende des Tages bleibt uns nichts anderes übrig, als weiter für die Rechte von LGBTIQ-Personen einzustehen und die Stimmen der Betroffenen zu stärken. Es ist ein lange Weg zur Gleichstellung, aber der Weg ist ein Stück weit geebnet. Denn jeder von uns kann dazu beitragen, dass die Dunkelziffer sinkt und dass wir gemeinsam ein Zeichen gegen Diskriminierung setzen.