Geothermie im Aufbruch: Chancen und Hürden auf dem Weg zur Klimaneutralität in der Schweiz
Heute ist der 7.07.2026 und wir werfen einen Blick auf die Geothermie in der Schweiz, ein Thema, das in den letzten Jahren viel Aufsehen erregt hat. Über 20 Geothermieprojekte wurden bereits mit Millionenbeträgen gefördert. Das Parlament hat 2023 erneut 30 Millionen Franken für Wärmeprojekte genehmigt – doch damit sind die guten Nachrichten nicht ganz so klar, wie sie scheinen. Denn in der Umsetzungsphase drohen viele Projekte durch eine restriktive Auslegung der Förderberechtigung ins Wanken zu geraten.
Ähnlich wie ein schüchterner Schüler, der sich nicht traut, beim Lehrer nachzufragen, könnte mehr als die Hälfte der laufenden Projekte bald nicht mehr förderberechtigt sein. Dabei wurden diese Projekte vom Bund mitfinanziert! Entsprechend könnten bereits investierte Hunderte Millionen von Energieunternehmen, privaten Akteuren und dem Bund auf der Kippe stehen. Es ist eine besorgniserregende Situation, in der erste Projekte aufgrund von Rechtsunsicherheit bereits eingestellt werden könnten.
Ein klares Zeichen des Nationalrats
Die UREK-N hat die Motion 26.3011 eingebracht, die eine praxisnahe Förderpraxis fordert. Und tatsächlich hat der Nationalrat in der Juni-Session mit 123 Ja-Stimmen, 64 Nein-Stimmen und 4 Enthaltungen dieser Motion zugestimmt. Ein Hoffnungsschimmer? Vielleicht. Doch die Herausforderungen bleiben. Ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts hat die restriktive Auslegung des CO2-Gesetzes durch das Bundesamt für Energie (BFE) bestätigt, und das Heizen ist für etwa ein Fünftel der CO₂-Emissionen verantwortlich.
Für viele Geothermie-Anlagen sind die Fördermittel nur verfügbar, wenn die Grundwassertemperatur über der Vorlauftemperatur des Fernwärmenetzes liegt. Das klingt ein bisschen wie ein bürokratisches Labyrinth, in dem viele Projekte steckenbleiben. Ungleichheiten zwischen Städten werden dadurch noch verstärkt. Und während wir hierzulande kämpfen, werden in unseren Nachbarländern ähnliche Geothermie-Anlagen erfolgreich gefördert. Wenn man bedenkt, dass Europa mehr als 400 Fernwärmenetze mit Geothermie betreibt, fragt man sich, wie lange wir noch hinterherhinken müssen.
Geothermie als Schlüssel zur Klimaneutralität
Die Europäische Kommission hat die Geothermie mittlerweile als eine der Schlüsseltechnologien im Kampf gegen den Klimawandel erkannt. CO2-neutrale, umweltfreundliche Energiequellen stehen ganz oben auf der Agenda. Geothermie ist nicht nur lokal verfügbar, sondern auch eine kostengünstige Energiequelle für Strom und Wärme. Das Potenzial zur Einsparung von Treibhausgasen ist enorm – sowohl in Europa als auch weltweit, besonders in Entwicklungsländern.
Im Rahmen des Programms Horizont 2020 unterstützt die EU Forschung und Entwicklung in der Geothermietechnologie. Das Ziel? Die Senkung der Kosten und die Steigerung der Leistung. Historisch gesehen war die Finanzierung der Geothermie im Vergleich zu Wind, Sonne und Biomasse eher schwach, aber das Niveau steigt. Mit einem Gesamtbudget von 172 Millionen Euro für Geothermie hat die Exekutivagentur für Innovation und Netze (INEA) große Pläne. Projekte wie DEEPEGS in Island oder GEMex in Mexiko zeigen bereits, wie vielversprechend die Forschung in diesem Bereich ist.
Doch was bedeutet das für uns hier in der Schweiz? Wir müssen aufpassen, dass wir nicht den Anschluss verlieren, während andere Länder mit innovativen Technologien, wie dem radialen Wasserstrahlbohren oder neuen Ansätzen für geothermische Hochtemperatur-Bohrlöcher, voranschreiten. Die Projekte Cheap-GSHPs, GEOCOND und GEOTeCH erforschen zudem, wie geothermische Energie für die Wärme- und Stromversorgung von Gebäuden genutzt werden kann. Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir uns auf den Weg machen und den Geothermie-Zug nicht verpassen. Wer weiß, vielleicht ist das die Lösung, um die Herausforderungen der Klimaneutralität zu meistern?
