Heute ist der 4.05.2026 und wir blicken zurück auf eine bewegende Geschichte, die sich um ein Meisterwerk des Schweizer Malers Ferdinand Hodler dreht. Das Gemälde „Thunersee mit Blüemlisalp und Niesen“, ein eindrucksvolles Landschaftsbild, hat in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Wendung genommen. Die Unabhängige Kommission der Stefanini-Stiftung hat den Verkauf dieses Kunstwerks als „Rechtsgeschäft unter Zwang“ beurteilt. Es ist ein Fall, der nicht nur in der Kunstwelt, sondern auch im gesellschaftlichen Kontext von großer Bedeutung ist.

Die Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG) hat das Gemälde, das seit 1998 im Besitz der SKKG war, nun an die Erben der ehemaligen Besitzerin, Martha Nathan, zurückgegeben. Diese Rückgabe ist nicht nur ein Akt der Gerechtigkeit, sondern auch ein Zeichen dafür, wie wichtig es ist, die Geschichte und die Provenienzen von Kunstwerken zu hinterfragen. Martha Nathan, eine Jüdin, floh 1937 aus Deutschland nach Frankreich und anschließend 1939 nach Genf. In Genf lebte sie unter schwierigen Bedingungen – mit einer befristeten Aufenthaltsbewilligung und dem ständigen Druck, ihr finanzielles Überleben zu sichern. Es ist kaum vorstellbar, wie sie sich gefühlt haben muss, ständig in Angst vor der Ausweisung zu leben.

Eine schmerzhafte Vergangenheit

Die Unabhängige Kommission kam zu dem Schluss, dass der Verkauf des Gemäldes in direktem Zusammenhang mit der Zwangslage von Martha Nathan stand. Ein trauriges Kapitel in der Geschichte, das zeigt, wie Kunst und Menschenleben miteinander verknüpft sind. Der Verkauf fand 1941 in Genf statt und gilt als Präzedenzfall in der Schweiz. Auch Verkäufe in Drittstaaten können, wie sich herausgestellt hat, von den Verfolgungen während des Nationalsozialismus betroffen sein.

Es war nicht nur ein Gemälde, das verloren ging, sondern auch ein Stück Identität und Geschichte. Die Provenienzen in der Sammlung des verstorbenen Winterthurer Sammlers Bruno Stefanini waren seit Jahren lückenhaft und standen unter Verdacht. Doch seit 2023 hat die SKKG begonnen, systematisch die Herkunft ihrer Werke zu untersuchen. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, um der Vergangenheit ins Auge zu sehen.

Eine Einigung in Zürich

Am 10. März 2026 wurde in Zürich eine Einigung über die Rückgabe des Gemäldes erzielt. Ein Moment, der nicht nur für die Erben von Martha Nathan, sondern für alle, die sich mit der Geschichte des Kunstmarktes auseinandersetzen, von Bedeutung ist. Das Gemälde wird nun in Hamburg in einer Ausstellung über jüdische Sammlerinnen und Sammler gezeigt – ein weiterer Schritt, um die Geschichten hinter den Kunstwerken sichtbar zu machen.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Geschichte von Martha Nathan wird auch in einer Publikation dokumentiert, die dazu beitragen soll, das Bewusstsein für die oft übersehenen Schicksale von jüdischen Kunstsammlern zu schärfen. Diese Geschichten sind nicht einfach nur Fußnoten in der Kunstgeschichte; sie sind Teil unserer menschlichen Geschichte. Ein Gemälde kann weit mehr sein als eine schöne Darstellung – es kann die Erinnerungen und Tragödien von Generationen in sich tragen.

So wird aus einem Kunstwerk, das einst unter Zwang verkauft wurde, ein Symbol für Gerechtigkeit und Erinnerung. Die Rückgabe des Gemäldes an die Erben von Martha Nathan ist ein wichtiger Schritt, um die Wunden der Vergangenheit zu heilen. Es zeigt, dass Kunst und Geschichte untrennbar miteinander verbunden sind – und dass es nie zu spät ist, das Richtige zu tun.