Der letzte Abschied eines Kämpfers für Gerechtigkeit: Jean Ziegler in Erinnerung
Am 18. Juni 2026 wurde in der eindrucksvollen Cathédrale Saint-Pierre in Genf Abschied von Jean Ziegler genommen. Hunderte von Teilnehmenden, darunter Politiker:innen, Kunstschaffende und Menschenrechtsverteidiger:innen, versammelten sich, um einen Mann zu ehren, der nicht nur ein Symbol für internationale Solidarität war, sondern auch als Stimme der Schwachen bekannt wurde. Die Feier war bis auf den letzten Platz gefüllt, und der Sarg, geschmückt mit Kränzen und Blumen, war das Zentrum einer bewegenden Zeremonie. Ein reformierter Pfarrer und ein katholischer Priester leiteten die Abdankung, die mit fröhlicher, oft südamerikanischer Musik und humorvollen Würdigungen gefüllt war.
Jean Ziegler, geboren 1934 in Thun, war ein Schweizer Soziologe, Jurist und Autor, der im Alter von 92 Jahren am 10. Juni 2026 verstarb. Er hatte ein Leben im Dienst der globalen Gerechtigkeit geführt – ein Leben geprägt von Engagement und Leidenschaft für die Schwächsten in unserer Gesellschaft. Seine politischen Wurzeln reichen bis in die 1960er-Jahre zurück, als er erstmals für die Genfer SP in den Nationalrat gewählt wurde. Ziegler war bekannt für seine scharfe Kritik am internationalen Finanzsystem und dem Raubtierkapitalismus, und er setzte sich unermüdlich für Flüchtlinge ein, vor allem in Chile. Dort kämpfte er gegen die Ermordung von Präsident Allende und wurde mit dem bedeutendsten Orden Chiles ausgezeichnet.
Eindrücke von der Trauerfeier
Die Trauergemeinde lauschte über drei Stunden lang den Erinnerungen und Würdigungen an Ziegler. Alt-Bundesrätin Micheline Calmy-Rey sprach mit großer Anerkennung über ihn als Botschafter der Schweiz in der Dritten Welt und erinnerte an seine unerschütterliche Haltung gegenüber dem internationalen Finanzsystem. Auch die Stadtpräsidentin von Genf, Christina Kitsos, bedauerte den Verlust und würdigte Ziegler als wichtige moralische Stimme der Stadt. Die gesamte Zeremonie erreichte ihren emotionalen Höhepunkt im gemeinsamen Singen der Internationalen, das die Anwesenden vereinte und die Atmosphäre zum Klingen brachte.
Vertreter:innen aus verschiedenen Gemeinschaften äußerten ihre Trauer und sprachen über Zieglers unermüdliche Unterstützung für Solidaritätsbewegungen. UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese bezeichnete ihn als „Giganten des Menschenrechtskampfes“. Es war nicht nur eine Trauerfeier, sondern ein kraftvolles Zeugnis seines Lebens. Auch die ehemalige Thuner Gemeinderätin Ursula Haller war anwesend, um Ziegler zu begleiten, während die Stadt Thun es versäumte, eine Traueranzeige für ihn zu schalten – ein versäumter Moment, der Fragen aufwirft.
Ein Leben im Dienste der Gerechtigkeit
Über die Jahre hinweg war Ziegler nicht nur ein Politiker, sondern auch ein gefragter Autor und Medienpersönlichkeit. Er veröffentlichte mehrere Bücher, die zu internationalen Bestsellern wurden, und hielt bis zu seinem Tod Vorträge, die das Publikum fesselten. Dabei war er bekannt für seinen charmanten, freundlichen Umgang, der selbst in kritischen Momenten oft von Humor geprägt war. Die Trauerfeier war ein würdiger Abschied für einen Mann, der in seinem Leben nie den Glauben an die Menschlichkeit verlor und stets für das Recht auf Nahrung und ein besseres Leben für alle kämpfte.
Jean Ziegler wird auf dem Friedhof Les Rois in Genf beigesetzt, und sein Erbe wird in den Herzen der Menschen weiterleben, die er berührt hat. Sein Engagement für die Gerechtigkeit wird unvergessen bleiben – eine Stimme, die in der Welt der Politik und darüber hinaus immer gehört werden sollte.
