Die Bildungslandschaft in der Schweiz hat in den letzten Jahren einen spannenden Wandel durchlaufen. Besonders im Kanton Freiburg tut sich einiges, und das hat seinen Grund: Die Ausbildung der Lehrpersonen wird bis 2025 unter einem neuen Dach an der Universität Freiburg zusammengeführt. Bisher war das Ganze ganz schön zersplittert – die Pädagogische Hochschule Freiburg (HEP-PH FR) war für die Primarstufe zuständig, während die Universität für die Sekundarstufen und die schulische Heilpädagogik verantwortlich war. Das entsprach einfach nicht mehr den Anforderungen an ein modernes Bildungssystem. Der Staatsrat hat daher 2021 beschlossen, die Lehrerbildung zu reformieren und alles zu bündeln.
Die Vorteile dieser Zusammenführung sind nicht zu vernachlässigen. Synergien werden gefördert, die Zusammenarbeit im Bildungsbereich intensiviert und die Verbindungen zwischen Regel- und Sonderschulunterricht gestärkt. Das Ziel? Eine bessere Weiterbildung der Lehrpersonen und die Schaffung eines originellen Modells in der Schweizer Hochschullandschaft. Mit der neuen Fakultät für Erziehungs- und Bildungswissenschaften entstehen nun drei Departemente: eines für die Lehrpersonenbildung, eines für Sonderpädagogik und ein weiteres für Erziehungswissenschaften. Ein eigener Bereich für das Bildungswesen in der bestehenden Weiterbildungsstelle der Unifr rundet das Ganze ab. Klingt vielversprechend, oder?
Ein Blick auf die Umsetzung
Der Grosse Rat hat im Juni 2023 die Gesetzesänderungen über die Universität (UniG) verabschiedet und das Gesetz über die Pädagogische Hochschule Freiburg (PHFG) aufgehoben. Das bedeutet, dass die Statuten der Universität überarbeitet wurden und Gremien eingerichtet wurden, um die internen Rechtsgrundlagen anzupassen. Ein wichtiger Punkt: Das Projekt wurde als finanziell neutral für den Staat konzipiert, es gibt keine systematische Erhöhung der Staatsausgaben. Die Mitarbeitenden der HEP|PH FR können sich auf Lohnsicherung und ähnliche Stellen innerhalb der UniFR freuen.
Die Integration des Budgets der HEP|PH FR in das Budget der Unifr war ein weiterer Schritt. Der Staatsrat stellte zudem einen Projektfonds von vier Millionen Franken bereit, um temporäre Kosten zu decken. Natürlich gab es auch Herausforderungen: Die Umstellung des Informationssystems, die Zusammenlegung von Dokumentationszentren und Bibliotheken sowie die Anpassung von Zulassungen und Studiengebühren mussten gemeistert werden. Dennoch wurde das Projekt zur institutionellen Zusammenführung nach vier Jahren erfolgreich abgeschlossen – und das Ganze in nur achtzehn Monaten umgesetzt! Studierende dürfen sich freuen, denn sie können bereits im August 2025/26 ihr Studium an der neuen Fakultät aufnehmen. Die ersten Diplome sind bereits vergeben worden.
Forschung und Vernetzung
Die Pädagogische Hochschule Freiburg hat sich in den letzten Jahren als ein wichtiger Akteur in der bildungswissenschaftlichen Forschung etabliert, mit Promotions- und Habilitationsrecht. Lehren und Lernen stehen im Mittelpunkt, sowohl in der Hochschullehre als auch in der Forschung. Eine intensive Vernetzung und interdisziplinäre Zusammenarbeit in bildungswissenschaftlichen Forschungsverbünden haben sich als besonders wertvoll erwiesen. Ein Beispiel dafür ist die Entwicklung eines innovativen Serious Games für die Lehrkräftebildung – eine spannende Initiative, die zeigt, wie modern und zukunftsorientiert das Bildungssystem in Freiburg ist.
Und das ist noch nicht alles. Die Hochschule hat einen Call for Papers zu „Polarisationen und autoritären Transformationen“ bis zum 15. Juli 2026 ausgeschrieben. Ein Forschungsaufenthalt von Dr. Waed Shakkouri von der German Jordanian University in Amman zeigt, dass internationaler Austausch großgeschrieben wird. Auch die Ausstellung von Studierendenwerken aus dem Seminar „Künstlerische Konzeptionen: Experiment“ – die am 12. Mai eröffnet wurde – ist ein weiterer Beleg für die kreative und dynamische Atmosphäre an der Hochschule.
Ein Blick in die Zukunft
Die Reform der Lehrerbildung in der Schweiz ist also in vollem Gange. Lucien Criblez hat in seinem Werk „Lehrerbildung in der Schweiz“ auf die zahlreichen Veränderungen hingewiesen, die seit den 1990er-Jahren stattgefunden haben. Die Tertiarisierung, Akademisierung und Verwissenschaftlichung sind nur einige der Schlagwörter, die die Diskussion um die Lehrerbildung prägen. Und obwohl viele Schritte bereits getan sind, ist der Reformprozess noch nicht abgeschlossen. Die Herausforderungen sind groß, aber die Entwicklungen in Freiburg zeigen, dass es möglich ist, Veränderungen erfolgreich umzusetzen und dabei die Qualität der Lehrerbildung zu verbessern.
Die Zukunft der Lehrerbildung in der Schweiz bleibt also spannend. Mit der neuen Fakultät und den innovativen Ansätzen wird Freiburg zu einem bedeutenden Ort der Bildung und Forschung, der nicht nur die Region, sondern auch die gesamte Schweiz bereichern könnte.