Die Rolle der Pfarrhaushälterinnen hat sich im Laufe der Jahre gewaltig gewandelt. Ein Blick in das beschauliche Moosbronn im Kreis Rastatt, wo Elisabeth Ruck seit fast 30 Jahren im Pfarrhaus tätig ist. Die 60-Jährige kocht für Pfarrer Friedbert Böser und hat sich schnell mit seinem Geschmack arrangiert – Zucchini sind allerdings ein No-Go. Das klingt nach einer besonderen Beziehung, nicht wahr? Und ja, das ist es auch, wie Ruck selbst sagt: Ihr Dienstverhältnis beschreibt sie als auf Augenhöhe. So ist es kein Wunder, dass sie sich auf die gemeinsame Zeit freuen und sogar Reisen planen, während sie die letzten gemeinsamen Jahre genießen.
Doch die Zeiten ändern sich. Die Zahl der Pfarrhaushälterinnen im Erzbistum Freiburg ist von über 900 auf weniger als 100 gefallen. Diese Entwicklung ist nicht nur eine Frage des Wandels in der Gesellschaft, sondern auch des Berufsbildes selbst. In der heutigen Zeit sind die Arbeitsverträge klar geregelt, und die Frauen in diesen Berufen haben Rechte, die es früher oft nicht gab. Früher waren es häufig Familienmitglieder der Priester, die diese Aufgaben übernahmen – ohne vertragliche Grundlage, versteht sich.
Der Beruf im Wandel
Angestellte im Pfarrhaushalt sind heute mehr als nur Haushälterinnen. Die Aufgaben sind vielseitig und verantwortungsvoll. Ruck kümmert sich um die hauswirtschaftlichen Belange und unterstützt den Pfarrer bei der Bewirtung von Gästen. Dabei sind fundierte hauswirtschaftliche Kenntnisse, Selbstständigkeit und hohe Sozialkompetenz unerlässlich. Wer das nicht mitbringt, hat in diesem Beruf nicht viel zu suchen. Auch Teamfähigkeit und Diskretion sind gefragt – schließlich geht es oft um mehr als nur um Kochen und Putzen.
Gerade die gesellschaftlichen Vorurteile und der Klatsch über ihre Lebensgemeinschaft mit dem Priester sind Herausforderungen, die Ruck mit Bravour meistert. Sie lässt sich nicht davon abhalten, ihren Weg zu gehen. Irmgard Schwermann, eine andere Pfarrhaushälterin, sieht in ihrer Arbeit einen Dienst für Gott, den Priester und die Menschen. Für sie ist es wichtig, dass das Pfarrhaus offen für alle ist – auch, wenn der Pfarrer gerade nicht da ist. Diese Gastfreundschaft und Nächstenliebe prägen den Alltag in den Pfarrhäusern.
Ein Aussterben des Berufs?
Doch wie geht es weiter? Der Bundesverband der Pfarrhaushälterinnen wird 2025 aufgelöst. Schwermann äußert Traurigkeit über das Aussterben des Berufs, da immer weniger Priester eine Haushälterin beschäftigen. Viele jüngere Priester haben gelernt, ihren eigenen Haushalt zu führen. Ein Trend, der nicht nur auf die Unabhängigkeit der Männer hinweist, sondern auch auf die veränderten Strukturen innerhalb der Kirche. Während Ruck und Böser ihre gemeinsamen Pläne schmieden, lebt Priester Bernd Gehrke allein in einem großen Haus und hat sich Alltagshelfer angeschafft, um die Hausarbeit zu bewältigen.
Das Ende des Bundesverbands wird nicht nur die Betroffenen direkt betreffen, sondern auch das Netzwerk, das viele Pfarrhaushälterinnen über die Jahre aufgebaut haben. Doch in der Region bleibt ein Netzwerk bestehen, das den Austausch und die Unterstützung untereinander fördern soll. Und wer weiß, vielleicht wird der Beruf der Pfarrhaushälterin auch wieder attraktiver – vielleicht mit neuen Ideen und Ansätzen. Die Hoffnung stirbt nie, und in Moosbronn ist der Geist der Gastfreundschaft immer noch lebendig.