Heute ist der 22.07.2026 und das Marzili in Bern ist in vollem Gange – die Badesaison hat die Halbzeit erreicht. Sylvie Schönbauer, die stellvertretende Anlagechefin, hat alle Hände voll zu tun. Der Sommer hat uns in seiner Hitze fest im Griff, und trotz der Herausforderungen, die der Umbau mit sich brachte, strahlt das Marzili in neuem Glanz. Während einige Liegeflächen zunächst gesperrt waren und das Wasserbecken bis Mitte Juni nicht nutzbar war, gibt es auch erfreuliche Nachrichten: Der Bueber-Teil wurde am 23. Mai eröffnet, was die Gäste in Scharen anlockte.

Die Rückmeldungen sind fast durchweg positiv. Klar, die Stadt Bern und das Sportamt haben eine transparente Kommunikation gepflegt, und das hilft ungemein. Ein kleines Manko bleibt allerdings: Die Umsatzeinbußen im Gastronomiebereich sind schwer zu beziffern, da der Pächter selbst abrechnet. Merkwürdige Zeiten, in denen man selbst beim Schwimmen auf das Wetter achten muss! Das Aarewasser hat sich Ende Mai erwärmt, und so zieht es viele Menschen in den Fluss – eine willkommene Abkühlung, wenn die Temperaturen steigen.

Die Herausforderungen des Marzili

Komischerweise hat Schönbauer in diesem Sommer noch nie in der Aare gebadet. Sie zieht ruhigere Orte vor, während viele ihrer Mitarbeiter oft vor oder nach der Schicht im kühlen Nass entspannen. Im Hintergrund brodelt bereits die Aufregung um einen Hitzesommer, der alle Erwartungen übertreffen könnte. „Ich bin hitzeresistent“, sagt sie, aber der Rasen im Marzili leidet unter der drückenden Wärme. Die Stadtgrün Bern muss entscheiden, welche Maßnahmen zur Pflege getroffen werden müssen. Bäume werden bewässert, Rasensprenger sind im Einsatz – die Natur muss schließlich am Leben gehalten werden.

Doch nicht alles läuft reibungslos. Es entstehen Konflikte, besonders wenn Leute die Regeln missachten. Regelverstöße wie seitwärts ins Becken springen oder unerfahrene Bootsfahrer auf der Aare sorgen gelegentlich für Spannungen – nicht selten gibt es sogar Beleidigungen gegenüber dem Personal. Das Marzili zieht immer mehr Besucher an, besonders aus der Romandie. „Französisch ist häufig zu hören“, schmunzelt Schönbauer, die während der Pandemie erlebt hat, wie das Marzili beworben wurde.

Das Gaswerkareal und seine Bedeutung

Ein weiterer spannender Punkt ist das Gaswerkareal, wo die Aare auf 200 Metern aufgeweitet wurde. Die Uferböschung wurde abgeflacht und es entstand eine 2000 Quadratmeter große Flachwasserzone mit fünf Inseln. Das neue Ufergebiet bietet Lebensraum für Jungfische und wirbellose Tiere – eine kleine Oase für die Natur. Während des Baus konnten Forscher sogar Äschen- und Forellenlarven beobachten. Das Gebiet bleibt der Natur vorbehalten, für Picknicks, Baden oder Spielen ist hier kein Platz gedacht. Gleichzeitig wird die angrenzende Landfläche mit rund 100 kleinen Bäumen und Sträuchern bepflanzt, um das Ökosystem zu stärken.

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Die Natur wird sich in den kommenden zwei Jahren schrittweise aneignen, während Fachleute die Entwicklung begleiten und das Anwachsen der neuen Bäume kontrollieren. Hochwasser ist hier kein Fremdwort. Bei Hochwasser wird das Gebiet überflutet und die neuen Erddämme schützen die Wohngebiete hinter dem Areal. Diese Dämme sind so konzipiert, dass sie einem 100-jährigen Hochwasser standhalten.

Hochwasserschutz und Renaturierung

Auf nationaler Ebene gibt es Bestrebungen, die Hochwasserretention zu verbessern. Ufernahe Deiche haben viele natürliche Überschwemmungsflächen abgeschnitten – nur noch 20 Prozent sind von den großen Strömen wie Rhein und Donau übrig. Das Wasserhaushaltsgesetz fordert, dass größere Flächen zur Verfügung gestellt werden, um Flüssen Raum für Ausuferungen zu geben. Deichrückverlegungen schaffen nicht nur Retentionsflächen, sondern ermöglichen auch die Renaturierung von Gewässern. Dadurch erhalten die Flüsse die Möglichkeit, sich selbst dynamisch zu entwickeln und ihre natürlichen Auen zurückzugewinnen.

Gerade in Zeiten des Klimawandels ist der natürliche Hochwasserschutz so wichtig. Er sorgt nicht nur für mehr Biodiversität, sondern stärkt auch essentielle Ökosystemleistungen der Fließgewässer. Die Synergien zwischen Gewässer- und Naturschutz sind enorm. Die Stadt Bern hat mit dem Marzili und dem Gaswerkareal einen wichtigen Schritt in diese Richtung gemacht – ein Ort der Erholung, des Wassersports und der Natur, der den Herausforderungen der Zukunft gewachsen ist.