In Bern hat ein erschütternder Fall von häuslicher Gewalt für Aufregung gesorgt. Ein 53-jähriger Mann wurde verurteilt, weil er seine Tochter über mehr als ein Jahrzehnt hinweg regelmäßig misshandelt hat. Die schockierenden Details sind kaum zu fassen: Seit ihrem siebten Lebensjahr war die Tochter, heute 22, den gewalttätigen Ausbrüchen ihres Vaters ausgeliefert. Mehrmals pro Woche wurde sie mit Händen und einem Stock geschlagen, gewürgt und sogar an den Haaren gepackt. Verletzungen wie Hämatome und offene Wunden waren die Konsequenzen seines brutalen Verhaltens. Psychischer Druck kam hinzu, als der Vater drohte, sie umzubringen und sie als „Hund“ beschimpfte. Ein Albtraum, der viele Fragen aufwirft.

Die Berner Staatsanwaltschaft hat den Mann zu einer bedingten Geldstrafe von 16’200 Franken verurteilt, was 180 Tagessätzen à 90 Franken entspricht. Außerdem muss er seiner Tochter eine Genugtuung von 4000 Franken zahlen und ist zur Zahlung von Schadenersatz an den Kanton Bern in Höhe von 10’699 Franken verpflichtet. Zusätzlich kamen eine Busse von 3600 Franken und Gebühren von 1000 Franken hinzu. Es ist ein Verfahren, das nicht nur den Täter zur Verantwortung zieht, sondern auch auf ein viel größeres Problem hinweist.

Dunkelziffer häuslicher Gewalt

Laut Lis Füglister von der Berner Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt gab es im letzten Jahr 1455 dokumentierte Fälle von häuslicher Gewalt in Bern. Doch die Realität könnte weitaus dramatischer aussehen – Experten schätzen, dass die Dunkelziffer bei 70 bis 80 Prozent liegt. Ein Blick über die Grenzen zu unseren Nachbarn zeigt, dass das Phänomen nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland alarmierende Ausmaße annimmt. Eine neue Studie beauftragt durch das Bundesfamilienministeriums und das Bundeskriminalamt zeigt, dass weniger als fünf Prozent der Opfer von Gewalt in Beziehungen Anzeige erstatten. Körperliche Gewalt erfahren 18 Prozent der Frauen und 14 Prozent der Männer, wobei Frauen von schwereren Verletzungen und mehr Angst berichten.

Es ist erschreckend zu hören, dass fast die Hälfte aller Frauen und 40 Prozent der Männer mindestens einmal in ihrem Leben von psychischer Gewalt betroffen sind. In diesem Zusammenhang wird auch die Polyviktimisierung – das gleichzeitige Erleben mehrerer Gewaltformen – immer wieder erwähnt. Besonders betroffen sind queere Personen und Menschen mit Migrationshintergrund. Diese Zahlen verdeutlichen die Dringlichkeit, das Thema Gewalt in engen Beziehungen offensiv anzugehen.

Maßnahmen und Unterstützung

Die Dunkelfeldstudie „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag“ zeigt, dass ein Großteil der Gewalterfahrungen nicht angezeigt wird. Die Anzeigequoten für psychische und körperliche Gewalt in (Ex-)Partnerschaften liegen sogar unter fünf Prozent. Bundesfrauenministerin Karin Prien hebt hervor, dass Gewalt Millionen Menschen betrifft und dass wir dringend Lösungen brauchen. Geplante Maßnahmen wie eine „Tarn-App“ zur Dokumentation von Gewalttaten könnten den Opfern helfen, sich zur Wehr zu setzen. Auch die Einführung einer Fußfessel nach spanischem Modell soll Künftige schützen.

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Die Geschehnisse in Bern und die Studienergebnisse aus Deutschland verdeutlichen, dass häusliche Gewalt ein weit verbreitetes Problem ist, das nicht ignoriert werden kann. Nachbarn sollten bei Verdacht auf Gewalt nicht zögern, die Polizei unter der Notrufnummer 117 zu verständigen. Denn manchmal kann ein kleiner Schritt, wie ein Anruf, das Leben eines Menschen retten. Es ist eine Erinnerung daran, dass wir alle wachsam sein müssen und dass es Zeit ist, aktiv zu werden.