Das Lied, das Generationen verbindet: Ein Weihnachtsgeschenk aus Hofwil und sein kulturelles Erbe
Es gibt Lieder, die sind mehr als nur Melodien – sie sind Teil einer Kultur, einer Gemeinschaft. Ein solches Lied ist das „wohl geistlichste aller weltlichen Volkslieder der deutschsprachigen Schweiz“. In den sanften Klängen und den tiefgründigen Texten spiegelt sich ein Gottvertrauen wider, das an Psalm 23 erinnert. Die Urfassung, mit ihren fünf Strophen, wurde einst von Sprachlehrer Josef Anton Henne und Musiklehrer Ferdinand Fürchtegott Huber geschaffen, um den Buben im Seminar Hofwil Geborgenheit in Gottes Hand zu vermitteln. Ein Weihnachtsgeschenk, das nicht nur die Herzen der Jungen berührte, sondern auch die Seele der Schweizer Volkskultur. Diese Tradition hat etwas Magisches und Zeitloses.
Doch warum wird das Lied als so bedeutend erachtet? Der zweite Aspekt, der in der Diskussion um seine Wichtigkeit häufig genannt wird, ist das biblisch aufgeladene Sternsymbol. In der letzten Strophe wird dieses Symbol aufgegriffen und vermittelt eine Botschaft des Vertrauens in Gott – eine Botschaft, die auch heute noch relevant ist. Und dann gibt es noch den Hintergrund von Henne, der als Novize im Benediktinerkloster Pfäfers lebte und die Bedeutung der O-Antiphonen kannte, die vor Weihnachten im Stundengebet gesungen wurden. All diese Elemente fügen sich zu einem eindrucksvollen Gesamtbild zusammen.
Die Wurzeln des Seminars Hofwil
Die Geschichte des Seminars Hofwil ist eng mit der Erneuerung des Schulwesens in der Republik Bern verbunden. 1831 fiel der Startschuss für eine liberale Verfassung, die das Ziel hatte, eine demokratische Volksschule zu etablieren. Unter der Leitung von Pfarrer Daniel Friedrich Langhans wurde das deutschsprachige staatliche Lehrerseminar in Münchenbuchsee gegründet – ein Kernstück der neuen Volksbildung. Die Lehrer hatten die Aufgabe, nach einer zweijährigen Ausbildung eine elementare Schulbildung zu vermitteln. Ein ambitioniertes Projekt, das die Bildungslandschaft der Region nachhaltig prägen sollte.
Im September 1833 bezogen die ersten Seminaristen die Räumlichkeiten im Schloss Münchenbuchsee, umgeben von Kirche und landwirtschaftlichen Gebäuden. Diese Kulisse, die an die Wurzeln der Schweizer Bildung erinnert, war ein Ort der Hoffnung und des Wandels. Es kam jedoch auch zu Auseinandersetzungen zwischen Langhans und Philipp Emanuel von Fellenberg über die Ausbildungsinhalte. Fellenberg hatte mit seinem Konzept eine „Armenschule“ gegründet, die Knaben aus der ganzen Schweiz ausbildete. Über die Weihnachtszeit konnten viele von ihnen nicht zu ihren Familien zurückkehren – eine Umstände, die das Lied von Henne und Huber umso bedeutungsvoller erscheinen lässt.
Ein Erbe, das bleibt
Die soziale Institution, die das Seminar damals darstellte, wollte den Buben die bestmögliche Bildung bieten. Die reformpädagogischen Grundsätze von Heinrich Pestalozzi prägten die Ausbildung und widmeten sich nicht nur der Wissensvermittlung, sondern auch der Entwicklung der Persönlichkeit der Schüler. Ein Brief aus dem Staatsarchiv St. Gallen belegt, dass alle 21 Buben der Klasse sich für das Weihnachtsgeschenk bedankten und ihren Herkunftsort angaben – eine rührende Bestätigung der menschlichen Verbindung, die durch das Lied entstanden ist.
Die Jahre vergingen, und das Seminar durchlief zahlreiche Veränderungen. 1884 wurde der Sitz nach Hofwil verlegt, wo das „Große Haus“ baulich angepasst wurde. Auch wenn das Seminar zwischenzeitlich auf Ober- und Unterseminare aufgeteilt wurde, blieb der Geist von Hofwil lebendig. Ein Gymnasium unter der Leitung von Peter Stalder hat bis heute viele bekannte Persönlichkeiten hervorgebracht und wurde 2009 als Swiss Olympic Partner School ausgezeichnet. Diese Verbindung zur Kultur und zur Bildung ist mehr als nur ein Titel – sie ist ein Hinweis auf die lebendige Geschichte, die Hofwil mit sich trägt.
Es ist bemerkenswert, wie ein einfaches Lied, das einst als Weihnachtsgeschenk gedacht war, die Herzen über Generationen hinweg berührt. In einer Zeit, in der Bildung und Gemeinschaft mehr denn je geschätzt werden, bleibt das Lied ein fester Bestandteil des kulturellen Erbes der Schweiz – unverrückbar wie ein Berg.
