Heute ist der 20.07.2026 und in Basel, wo die Kunstszene blüht und das kulturelle Leben pulsiert, gibt es nichts Schöneres, als sich mit einem guten Buch zurückzulehnen. Eine Gruppe Basler Persönlichkeiten hat sich in der letzten Zeit Gedanken über ihre Sommerlektüren gemacht und einige echte Schätze entdeckt. Von bewegenden Geschichten über Migration bis hin zu packenden Thrillern – hier ist für jeden etwas dabei!

Ines Goldbach, die Direktorin des Kunsthauses Baselland, empfiehlt Oroppa von Safae El Khannoussi. Es ist eine berührende Spurensuche nach der jüdisch-marokkanischen Künstlerin Salomé Abergel, die uns durch Europa führt und dabei Migrationsgeschichten und persönliche Sehnsüchte thematisiert. In einer Zeit, in der solche Geschichten mehr denn je Gehör finden sollten, ist dieser Roman ein echter Lichtblick.

Und dann ist da noch Nicola Gess, Professorin für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, die sich für Why Fish Don’t Exist von Lulu Miller begeistert. Diese Mischung aus Biographie und Memoir über den Ichthyologen David Starr Jordan bietet nicht nur spannende Einblicke in die Welt der Fische, sondern behandelt auch Fragen der Resilienz und Eugenik. Wer hätte gedacht, dass die Tiefen des Meeres so viel über menschliche Erfahrungen lehren können?

Ein Blick in die Gesellschaft

Oliver Nachtwey, Professor für Sozialstrukturanalyse, hat See der Schöpfung von Rachel Kushner auf seinem Nachttisch liegen. Hier infiltriert eine ehemalige Agentin eine öko-anarchistische Kommune in Frankreich. Ein Thriller, der nicht nur die Nerven kitzelt, sondern auch soziologische und politische Einblicke gewährt. Ein bisschen wie ein scharfer Blick auf die Gesellschaft, der einen nachdenklich zurücklässt.

Martina Rutschmann, Journalistin und Autorin, hat sich für Kopfkind von Christine Johanna Keller entschieden. Die Geschichte einer Frau, die zwischen der Erziehung ihrer Tochter und der Pflege ihrer demenzkranken Mutter jongliert, bringt Leben, Humor und die Herausforderungen zwischen den Generationen auf den Punkt. Man kann förmlich die Anspannung und den Humor spüren, die in solchen Situationen oft Hand in Hand gehen.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Stephan Lichtsteiner, Cheftrainer des FC Basel, zieht Leadership und Teamkultur aus dem Buch Das Geheimnis der All Blacks von James Kerr. Hier lernt man von einem der erfolgreichsten Rugby-Teams der Welt. Wer im Sport erfolgreich sein will, kommt um diese Erkenntnisse nicht herum.

Gesellschaft und Identität

Eva Herzog, Ständerätin und Präsidentin von LiteraturBasel, hat sich für Nelka von Svenja Leiber entschieden. Die Geschichte einer Zwangsarbeiterin, die Jahre nach dem Krieg an ihren alten Arbeitsplatz zurückkehrt, behandelt Themen wie Krieg, Solidarität und menschliche Beziehungen. Ein Buch, das uns an die dunklen Kapitel unserer Geschichte erinnert und gleichzeitig die Hoffnung auf eine bessere Zukunft thematisiert.

Und dann gibt es noch die Geschichte von Sam Himself, einem Musiker, der mit Cool Machine von Colson Whitehead in die kriminelle Saga von Ray Carney eintaucht. Hier geht es nicht nur um Verbrechen, sondern auch um die Bürgerrechtsbewegung und historische Schauplätze in New York. Wer sich für die Geschichte interessiert, wird hier sicher auf seine Kosten kommen.

Fiona Stevens, Geschäftsführerin der Basel Sinfonietta, hat Drunk von Edward Slingerland gewählt, eine Untersuchung über die kulturelle Bedeutung von Alkohol. Ein Thema, das in vielen gesellschaftlichen Debatten immer wieder auftaucht und das sowohl kreative als auch soziale Aspekte beleuchtet. Wie viel Einfluss hat Alkohol wirklich auf unser Miteinander?

Gianna Hablützel-Bürki, Grossratspräsidentin, hat sich in den psychologischen Thriller Der Lehrer von Frieda McFadden vertieft. Hier wird der Schulalltag mit unerwarteten Wendungen aufgemischt – und ich kann mir vorstellen, dass das nicht nur für Lehrer:innen spannend zu lesen ist!

Und wie könnte es anders sein? Delphine Conzelmann bringt mit Supersaurio von Meryem El Mehdati eine humorvolle und kritische Betrachtung des Corporate-Alltags mit. Die Alltagserlebnisse einer Praktikantin bei einer Supermarktkette auf Gran Canaria sind nicht nur unterhaltsam, sondern werfen auch einen kritischen Blick auf die Arbeitswelt.

Literatur und Lebensrealitäten

Joël Gernet, Autor und Rapper, hat Heaven’s Gate von Daniel Fassbender entdeckt, in dem ein Privatdetektiv auf der Suche nach einem verschwundenen Surfer auf einer philippinischen Insel ist. Hier werden Themen wie Overtourism und Umweltzerstörung auf eine sehr spannende Art und Weise behandelt.

Anaïs Steiner, Moderatorin und Literaturvermittlerin, empfiehlt Weil ich Ruth bin von Julia Weber. Die Figur Ruth vermittelt zwischen Lektüre und Realität und thematisiert patriarchale Strukturen auf eine sinnliche, naturverbundene Weise. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt.

Lukas Kundert, Münsterpfarrer und Professor, hat sich mit Die dekonstruierte Gesellschaft oder das Ende der Aufklärung von Andreas Zivy beschäftigt. Hier wird die gesellschaftliche Dekonstruktion seit den 60er-Jahren analysiert. Ein wichtiges Thema, besonders in einer Zeit, in der viele Menschen mit den bestehenden Strukturen hadern.

Marion Regenscheit, Festivalleitung BuchBasel, hat Mein Jahr in Paris mit Gertrude Stein von Deborah Levy auf ihrer Liste. Die Erzählerin verwebt ihre Erlebnisse mit denen von Gertrude Stein und schafft so eine tiefgründige, poetische Erzählung. Ein literarischer Genuss, der zum Träumen einlädt.

All diese Empfehlungen zeigen, wie vielfältig und facettenreich die Literatur ist. Sie bieten Einblicke in die menschliche Seele, behandeln aktuelle Themen und zeigen, dass Geschichten – egal aus welchem Blickwinkel sie erzählt werden – immer auch etwas über uns selbst verraten. Und in einer Zeit, in der das Klima der digitalen Gewalt besorgniserregend ist, wie es etwa Sawsan Chebli in ihrem Buch LAUT thematisiert, ist es wichtig, dass wir unsere Stimme erheben gegen Hass und Diskriminierung.

Die Erschütterungen, die viele Menschen durch Migrationsgeschichten erfahren haben – sie spiegeln sich nicht nur in der Literatur wider, sondern auch in der Gesellschaft. Dabei geht es nicht nur um die Erzählungen selbst, sondern auch um die Lebensrealitäten geflüchteter Frauen, ihre Herausforderungen und die Resilienz, die sie entwickeln. Ein Thema, das in den kommenden Jahren mehr Beachtung finden sollte, denn die Geschichten sind vielfältig und wichtig.