Die verborgene Geschichte der Homosexualität: Eine Ausstellung in Basel öffnet neue Perspektiven
Heute ist der 24.06.2026 und Basel wird gerade von einer aufregenden Ausstellung im Kunstmuseum erleuchtet. Unter dem Titel „The First Homosexuals“ widmet sich das Haus einem Kapitel der Geschichte, das oft im Schatten steht. Aus einem Blickwinkel, der uns alle betrifft, wird in dieser Schau die Homosexualität als kulturelles Phänomen beleuchtet. Die Ausstellung, die ursprünglich für den Kunstraum Wrightwood 659 in Chicago konzipiert wurde, hat sich nun in den Räumen des Kunstmuseums Basel niedergelassen und wird bis zum 2. August 2026 zu sehen sein.
Mit rund 90 Exponaten, darunter 25 Fotografien, die digital präsentiert werden, öffnet sich ein Fenster zu einer Welt, die in der Schweiz bislang kaum gewürdigt wurde. Die Schau umfasst nicht nur Werke von bekannten Namen wie Johann Heinrich Füssli und Albrecht Dürer, sondern auch Porträts von ikonischen Persönlichkeiten wie Oscar Wilde und Walt Whitman. Die Besucher können sich darauf freuen, die Entwicklung der Homosexualität durch verschiedene Epochen nachzuvollziehen, angefangen mit einem Faksimile des ersten schriftlichen Nachweises des Begriffs „Homosexualität“ – ein Brief von Karl Maria Kertbeny aus dem Jahr 1868. Kertbeny und sein Weggefährte Karl Heinrich Ulrichs waren Pioniere im Kampf für die Entkriminalisierung von Homosexualität.
Ein Blick auf die kulturellen Veränderungen
Die Ausstellung thematisiert nicht nur das individuelle Schicksal von Homosexuellen, sondern auch die kulturellen und gesellschaftlichen Umwälzungen, die durch Kolonialmächte und deren homophobe Gesetzgebung bedingt waren. In vielen Kolonien wurde gleichgeschlechtliche Liebe kriminalisiert, und diese Gesetze blieben oft auch nach der Dekolonisierung bestehen. Die Darstellung dieser Themen wird durch das Gemälde „Interieur in Florenz mit Hendrik Andersen und John Briggs Potter“ von 1894 verstärkt, das Homosexualität unverstellt und offen zeigt.
Es ist faszinierend, wie die Geschichte der Homosexualität eng mit den Geschlechtervorstellungen verwoben ist. In der Vergangenheit wurde gleichgeschlechtliches Begehren oft als das Resultat einer vertauschten „Seele“ betrachtet – ein Gedanke, der uns heute merkwürdig anmutet. Der Aufstieg des Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg führten jedoch zu einem Stillstand in der Entwicklung der Geschlechter- und Sexualitätsforschung. Das Institut für Sexualwissenschaft in Berlin, gegründet von Magnus Hirschfeld, wurde 1933 zerstört, und viele bedeutende Stimmen der queeren Kunstszene wurden zum Schweigen gebracht.
Widerstand und künstlerische Auseinandersetzung
Trotz dieser Unterdrückung blühte die künstlerische Auseinandersetzung mit Homosexualität und trans Identitäten weiter auf. Künstler wie Claude Cahun und Marcel Moore, die während der Besetzung der Kanalinsel Jersey Widerstand leisteten, hinterließen bedeutende Spuren. Cahun, die in einer wohlhabenden jüdischen Familie in Nantes aufwuchs, beschrieb ihre Geschlechtsidentität als fluid und neutral. Ihre Werke und ihr Mut, gegen die Normen ihrer Zeit anzukämpfen, sind heute noch von großer Bedeutung.
Ein weiteres bemerkenswertes Kapitel ist Lili Elbe, eine trans Frau, die 1929 das beeindruckende Gemälde „Lili und Gerda auf der Terrasse“ malte. Sie war eine der ersten bekannten Personen, die sich einer geschlechtsangleichenden Operation unterzogen und ihr weibliches Geschlecht rechtlich anerkannt bekam. Tragischerweise starb sie 1931 an Komplikationen nach einem operativen Eingriff, ihr Leben ein eindringliches Zeugnis für den Kampf um Identität und Anerkennung.
In dieser Ausstellung wird nicht nur Kunst präsentiert; sie ist auch ein Aufruf zur Reflexion über die eigene Geschichte. Die Werke, die hier versammelt sind, erzählen von Kämpfen, von Verlust, aber auch von unbändiger Kreativität. Die Diversität der Stimmen, die in „The First Homosexuals“ zu Wort kommen, lädt ein, über die eigene Identität nachzudenken und die Geschichte der Homosexualität im Kontext der heutigen Zeit neu zu betrachten.
