In Appenzell Innerrhoden, wo die Alpen die Wolken streifen und die Traditionen tief verwurzelt sind, wird die Schulbildung gerade auf Herz und Nieren geprüft. Die Bundesverfassung hat seit 2006 die Kantone in die Pflicht genommen, ihre Schulstrukturen und Bildungsziele zu harmonisieren. Mit dem Jahr 2011 wurden von den Erziehungsdirektorinnen und -direktoren nationale Bildungsziele festgelegt, die für alle Schüler in der obligatorischen Schulzeit gelten. Doch wie steht es um die Umsetzung dieser Ziele in unserem kleinen, aber feinen Kanton?
Im Frühjahr 2024 fand eine groß angelegte Erhebung statt, an der fast 20.000 Schüler aus etwa 1150 Schulen in der Schweiz teilnahmen. Diese ÜGK (Überprüfung der Grundkompetenzen) maß, inwieweit die Kinder in der Schulsprache – sprich Lesen und Hören – sowie in Mathematik die vorgegebenen Grundkompetenzen erreichen. Die Ergebnisse? Nun, im Vorjahr schnitt Appenzell Innerrhoden bei der ÜGK eher unbefriedigend ab. Aber die Neuigkeiten aus der aktuellen Erhebung machen Hoffnung: Über 93 Prozent der Kinder im Kanton erreichen die Grundkompetenzen im Bereich „Deutsch Hören“, während es beim „Deutsch Lesen“ und in der Mathematik immerhin 85 Prozent sind.
Ein Blick auf die Bildungsstandards
Bildungsstandards sind die Messlatte, die die Qualität unserer Bildungsprozesse sichern soll. In Deutschland hat die Entwicklung gemeinsamer Standards Anfang der 2000er Jahre durch die Kultusministerkonferenz begonnen. Diese Standards helfen dabei, einheitliche Maßstäbe für die Leistungsmessung und die Kompetenzentwicklung von Schüler*innen zu schaffen. In der Schweiz gibt es ähnliche Bestrebungen, die jedoch auf die spezifischen Bedürfnisse der regionalen Bildungssysteme abgestimmt sind.
In Appenzell Innerrhoden haben alle zehn Primarschulen an der ÜGK-Erhebung teilgenommen. Das bedeutet, dass wir hier nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis aktiv sind, um die Bildungsqualität zu verbessern. Es ist spannend zu sehen, wie die Kinder in Mathematik besser abschneiden als der nationale Durchschnitt, und das, obwohl sie mehr Mathematikstunden besuchen, als im Lehrplan vorgesehen. Es zeigt sich, dass ein kleiner Kanton wie Appenzell Innerrhoden seine eigenen Stärken hat.
Vergleichende Perspektiven
<pWenn wir einen Blick über die Grenze nach Deutschland werfen, sieht die Bildungssituation dort ganz anders aus. Nur 6 % der jungen Menschen finden nach ihrer Ausbildung keinen Job, während es im OECD-Durchschnitt 21 % sind. Die PISA-Studie zeigt, dass Deutschland im internationalen Vergleich solide abschneidet, während Länder wie Singapur die Spitzenposition einnehmen. Aber auch in der Schweiz stehen wir mit einem Platz unter den Top Ten nicht schlecht da. Bildungssysteme unterscheiden sich stark – in Singapur beginnt die Vorschule bereits mit zwei Jahren, während wir in der Schweiz etwas später starten.
Der Schlüssel zu einem erfolgreichen Bildungssystem liegt in der Qualität der Lehrerbildung, den sozialen Bedingungen und der Investitionsbereitschaft in die Bildung. Deutschland beispielsweise steckt 6,5 Milliarden Euro in den DigitalPakt Schule. Solche Investitionen sind entscheidend, um den Herausforderungen der digitalen Transformation gerecht zu werden. Auch in Appenzell Innerrhoden ist der Bedarf an digitalen Kompetenzen spürbar. Die Frage ist: Wie nutzen wir diese Trends, um unsere Schüler auf die Zukunft vorzubereiten?
Mit einem Blick auf die Zukunft bleibt die Hoffnung, dass durch gezielte Maßnahmen und den Austausch von Best Practices zwischen den Kantonen die Bildungsqualität weiter gesteigert wird. Denn schließlich geht es darum, dass unsere Kinder nicht nur die Grundkompetenzen erlangen, sondern auch die Freude am Lernen entdecken. Und das ist das Wichtigste von allem.