Kampf der Eringerkühe: Tradition und Prestige in den Walliser Alpen
Heute ist der 4.07.2026, und während wir hier in Appenzell Ausserrhoden das sommerliche Wetter genießen, gibt es weit oben in den Walliser Alpen ein spektakuläres Schauspiel. Dort, auf der Alpage de Mandelon im Val d’Hérens, kämpfen zwei junge Eringerkühe – Dixence und Pistache. Diese beiden Kühe, kaum ein paar Monate alt und fast gleich groß, treten in einem kurzen, aber spannenden Duell gegeneinander an. Nach nur 30 Sekunden steht der Sieger fest: Pistache zwingt Dixence zur Niederlage. Ein schöner Anblick, der nicht nur die Züchter, sondern auch die Zuschauer in seinen Bann zieht.
Die Alpage de Mandelon ist ein Ort der Tradition und des Wettbewerbs, gelegen auf beeindruckenden 2000 Metern über dem Meeresspiegel. Ende Juni versammeln sich dort fast 130 Eringerkühe, um ihre Rangordnung zu bestimmen. Der Alpaufzug, auch bekannt als Inalpe, ist eine tief verwurzelte Tradition im Schweizer Hochgebirge. Hier werden die Kühe zu ihren Alpwiesen gebracht – ein wahrhaft spektakulärer Anblick, der tief in der Schweizer Kultur verankert ist. Die Eringerkühe sind eine ganz besondere Rasse, die nicht für die Milchproduktion gezüchtet wurde, sondern für ihre Robustheit und Kämpfernatur. Ihre Züchter legen Wert auf Ehre und Prestige, was sich in den Wettkämpfen widerspiegelt, die sie bestreiten.
Ein Fest der Tradition
Um 9:30 Uhr beginnt der Wettkampf, und die Aufregung ist spürbar. Neun Züchter haben ihre Kühe zur Alpage gebracht, darunter auch Angelo Biner, der stolz sechs Eringerkühe mitgebracht hat. Fünf seiner Tiere kämpfen erfolgreich und zeigen, was in ihnen steckt. Besonders hervorzuheben ist Canaille, die aktuelle Königin unter den Kühen. Sie beeindruckt mit ihren Leistungen und erhält Unterstützung von den anderen Kühen ihrer Herde. Die Eringerkühe dürfen ihre Hörner behalten, was ihnen einen besonderen Status verleiht und sie von anderen Rassen unterscheidet.
Doch nicht alle sind mit der Tradition einverstanden. Tierschützer kritisieren die Zusammenführung der Kühe zur Unterhaltung. Für die Befürworter hingegen ist der Erhalt dieser Tradition von großer Bedeutung. Interessant ist, dass die Eringerkühe im Umgang mit Menschen sanft und neugierig sind, trotz ihres imposanten Erscheinungsbildes. Bei der Familie Darbellay beispielsweise werden zwei Eringerkühe als Teil der Familie betrachtet – eine herzliche Verbindung, die zeigt, wie eng Mensch und Tier hier verbunden sind.
Die Engstligenalp und ihre Schätze
Gleichzeitig, während in den Walliser Alpen die Kühe kämpfen, findet auf der Engstligenalp, der größten Hochebene der westlichen Schweizer Alpen, der Alpaufzug statt. Die 100-tägige Alpzeit begann Ende Juni, und die Begleiter machen sich im Dunkeln auf den Weg, um die steilen Höhenmeter zu überwinden. Der Aufstieg führt im Zickzack-Kurs über einen Wanderweg, bis die 532 Tiere, darunter 194 Kühe, 50 Rinder und viele Kälber, die Engstligenalp erreichen. Ein beeindruckender Anblick, der durch die Klänge von Alphornbläsern untermalt wird. Für die Familie Kleinjenni aus Kandergrund ist der Alpaufzug ein jährliches Highlight – sie sind mit 14 Kühen dabei.
Der Alpsommer auf der Engstligenalp dauert normalerweise zehn Wochen, in denen die Kühe auf saftigen Wiesen grasen und frische Luft schnappen. Aus ihrer Milch wird der köstliche Berner Alpkäse hergestellt, ein Genuss, der weit über die Region hinaus geschätzt wird. Es ist faszinierend zu sehen, wie diese Traditionen das Leben in den Alpen prägen und gleichzeitig die Verbindung zwischen Mensch und Tier stärken. Ob beim Kuhkampf oder beim Alpaufzug – die Eringerkühe und ihre Züchter sind ein unverzichtbarer Teil der Schweizer Kulturlandschaft.
