In den malerischen Hügeln von Appenzell Ausserrhoden wird ein innovatives Projekt zur Rettung von Rehkitzen ins Leben gerufen. In den Monaten Mai und Juni setzen das Amt für Jagd und Fischerei, der Patentjägerverein Appenzell I.Rh., Jägerinnen und Jäger sowie private Drohnenpiloten ihre Rehkitz-Rettungsdrohnen ein. Das Hauptziel? Die kleinen Tiere vor dem gefürchteten Mähtod zu bewahren. Denn während der ersten Lebenswochen verharren Rehkitze regungslos im hohen Gras – ein Verhalten, das sie während des Mähens in große Gefahr bringt.
Um die Rehkitze frühzeitig zu lokalisieren, werden Drohnen mit Wärmebildkameras eingesetzt. Diese Technologie hat sich als äußerst effektiv erwiesen, da sie die Tiere im dichten Gras sichtbar macht und ein schnelles Handeln ermöglicht. Die Drohnenteams sind jedoch auf rechtzeitige Meldungen der Mähtermine angewiesen. Das Amt für Jagd und Fischerei appelliert daher eindringlich an die Landwirte, ihre Mäharbeiten spätestens am Vortag zu melden, um eine erfolgreiche Rettung zu gewährleisten.
Ein Netzwerk für die Natur
Die Rehkitzrettung ist nicht nur ein technisches Unterfangen, sondern beruht auch auf dem Engagement von Jägerinnen, Jägern und freiwilligen Helfern, die gemeinsam mit den Bäuerinnen und Bauern an einem Strang ziehen. Es ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie Mensch und Natur zusammenarbeiten können, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen: den Schutz der Wildtiere. Ein Teil der gefangenen Rehkitze wird zudem markiert, was wertvolle Daten für Forschungszwecke liefert und dabei hilft, das Verhalten und die Überlebenschancen dieser Tiere besser zu verstehen.
Um die Rehkitzrettung weiter voranzutreiben, hat das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) ein Förderprogramm ins Leben gerufen. Es stellt 2,1 Millionen Euro für den Einsatz von Drohnen zur Verfügung. Die Förderung zielt darauf ab, die Effektivität der Rettungsmaßnahmen zu erhöhen und eine flächendeckende Etablierung der Drohnentechnologie zu ermöglichen. Vereine, die sich mit dem Jagdwesen oder der Wildtierrrettung beschäftigen, können bis zum 30. Juni 2026 Anträge auf finanzielle Unterstützung stellen.
Technologie trifft Tradition
Die Drohnen gelten als die effektivste und zeitsparendste Methode zur Wildtierrettung. Sie können nicht nur zur Rettung von Rehkitzen eingesetzt werden, sondern auch bei der Bekämpfung von Tierseuchen auf Anweisung der zuständigen Behörden. Das Fördermodell sieht einen Festbetrag von 3.000 Euro pro Drohne und Teilnehmer vor, was eine schnelle Bearbeitung der Anträge ermöglicht. Hierbei sind jedoch einige Regeln zu beachten: Nur eingetragene Kreisjagdvereine und Kitzrettungsvereine sind antragsberechtigt, während Jagdgenossenschaften und Einzelunternehmen ausgeschlossen sind.
Die neue Regelung für den Einsatz von Drohnen zur Wildtierrettung, die ab dem 20. November 2024 in Kraft tritt, ermöglicht es, unbemannte Fluggeräte in bestimmten geografischen Gebieten näher an Wohn- und Gewerbegebieten zu betreiben. Hierbei gilt ein Mindestabstand zu Wohngebieten von 150 Metern, was den Einsatz der Drohnen sicherer macht und gleichzeitig die Bedürfnisse der Anwohner berücksichtigt.
Das gesamte Projekt ist nicht nur eine technische Innovation, sondern auch ein wichtiger Schritt in der Digitalisierungsstrategie zum Schutz der Natur. Die gesammelten Daten fließen in die Wildtier- und Naturschutzmaßnahmen ein und tragen dazu bei, den Lebensraum der Wildtiere nachhaltig zu sichern. Ein schöner Grund, die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Tier zu feiern und die Natur auch in Zukunft zu schützen.
Weitere Informationen finden Sie in den Pressemitteilungen des BMLEH oder auf der Seite der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.